An Anna von Münchhausen Theo Neteler aus Melle bringt Rilke-Briefe heraus

Von Dr. Stephanie Uhlhorn

Hat mehrfach Rilke-Briefe veröffentlicht: Theo Neteler. Foto: Stephanie UhlhornHat mehrfach Rilke-Briefe veröffentlicht: Theo Neteler. Foto: Stephanie Uhlhorn

Melle. Im Rahmen der „Blätter der Rilke-Gesellschaft“ hat Theo Neteler die Briefe von Rainer Maria Rilke an Anna von Münchhausen herausgegeben - und zwar auf Wunsch der Enkelin der Freifrau.

Im Jahr 2012 hatte Theo Neteler, ehemaliger Schulleiter der Ratsschule, die Briefe Rilkes an Dorothea von Ledebur in den Blättern der Rilke-Gesellschaft veröffentlicht. Diese hatte auch die Enkelin von Anna von Münchhausen, Hieronyma Baronin Speyart van Woerden, gelesen. Sie wandte sich an Neteler, ob er Interesse habe, die sich im Familienbesitz befindlichen Briefe ihrer Großmutter herauszugeben.

Rainer Maria Rilke hatte Anna von Münchhausen zwischen 1913 und 1917 geschrieben. Die Briefe Annas an Rilke sind hingegen nicht erhalten geblieben. Neteler hatte Interesse und ein reger Briefwechsel und Telefonate begannen, denn immer wieder mussten Unklarheiten geklärt werden. Hieronyma unterstützte den Herausgeber sehr. So kopierte sie beispielsweise Dinge aus dem Tagebuch ihres Vaters, Thankmar von Münchhausen, der ebenfalls mit Rilke befreundet war.

Rilke hatte die Münchhausens 1897/98 kennengelernt, als er auf Wanderungen mit der Schriftstellerin und späteren Psychoanalytikerin Lou Andreas-Salomé dort einkehrte. Der engere Kontakt ergab sich aber erst 1913. Thankmar studierte in Paris, wo auch Rilke lebte. Aus dem Wiedersehen entwickelte sich eine Freundschaft. Anna von Münchhausen sah Rilke im Oktober 1913 wieder. Sie war in der Leitung des Schulheims in der Gartenstadt Hellerau beschäftigt, als der Schriftsteller dort Zeit verbrachte.

Der erste schriftliche Kontakt zwischen Anna und Rilke war eine Visitenkarte Rilkes, die er auf der Rückseite beschrieben, für Anna in Hellerau zurückließ. Weitere Briefe folgten, von denen Theo Neteler nun acht bisher unveröffentlichte herausbrachte.

Sie behandeln unterschiedliche Themen, wie die Gartenstadt Hellerau oder Rilkes Haltung zum Ersten Weltkrieg, aber auch die Freundschaft zu Thankmar. Die Briefe gehen bis in das Jahr 1919 und enden dann recht abrupt. Rainer Maria Rilke ging in dem Jahr in die Schweiz und hat viele neue Kontakte geschlossen. „Er hat wohl viele alte Kontakte abgebrochen“, erzählt Theo Neteler, „Über Thankmar waren die beiden aber weiterhin zumindest übereinander informiert“.

Neteler hat die Enkelin Hieronyma noch nicht persönlich kennenlernen können. . „Sie hat Verwandte bei Lübbecke und wir haben sie eingeladen, uns zu besuchen, wenn sie in der Gegend ist, doch sie meinte, dass sie in ihrem Alter nicht mehr reisen könne“, erklärt der ehemalige Lehrer. Ihre Briefe sind allerdings schon persönlich, denn sie hat alle mit der Hand geschrieben, wie auch Rilke seine fast zehntausend Briefe.


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