Altes Stahlwerk Tim Wesselmann leitet das Meller Jugendzentrum

Von Michael Hengehold


Melle/Neuenkirchen. Seit Februar hat das Jugendzentrum „Altes Stahlwerk“ einen neuen Leiter: Tim Wesselmann. Der 35-jährige hat die Orientierungsphase hinter sich: „Ich bin jetzt angekommen.“

Nebst Frau und zweieinhalbjährigem Sohn hat der Osnabrücker sich in Küingdorf angesiedelt. Erfahrung in der Leitung eines Jugendzentrums hatte er zuvor in der „Teestube“ in Westerkappeln sammeln können.

Für ihn stand in seinem neuen Job zunächst eine Bestandsaufnahme an: „Ich habe nichts verändert, sondern geschaut, was es gibt. Das Haus, die Klientel, die Angebote. Für wen gibt es schon Ansprechpartner, für wen nicht?“

Insbesondere für arabische Familien sei das Stahlwerk wichtig. „Für die sind wir erster Ansprechpartner bei allen Problemen und Fragen“. Ob Hilfe bei Anträgen gefragt ist oder einfach nur Informationen – „das nimmt hier breiten Raum ein.“ Inzwischen gebe es eine „breite Vertrauensbasis“, die gewachsen ist, „weil die Jugendlichen dieses Vertrauen nach Hause getragen haben“. So war eine der ersten Aktionen unter Wesselmanns Regie ein Vater-Sohn-Tag mit arabischem Fest: „Seitdem kommen die Väter nicht mehr nur, um ihre Kinder zu bringen oder zu holen, sondern auch mit Fragen.“

Ein weiterer Schwerpunkt sind Bewerbungen. „Das kenne ich aus anderen JZ‘s natürlich auch, dass man mal Bewerbungen schreibt, aber keines hatte einen eigenen Server für Bewerbungen. Hier vergeht keine Woche, in der nicht fünf oder zehn geschrieben werden. Kannte ich so nicht, ist aber toll.“

Kultur ausbauen

Überrascht hat Wesselmann auch die politische Gremienarbeit in mehreren Arbeitskreisen. „Das ist sehr viel spannender, als ich erwartet hatte und so wertvoll, dass ich es nicht missen möchte. Jetzt frage ich mich, wie es in anderen Jugendzentren ohne gegangen ist. Ich kenne das eher so, dass, wenn aus der Politik nichts zu hören ist, bedeutet das, es läuft.“ Hier in Melle hingegen sei seine Einschätzung in der Sozialpolitik aktiv gefragt: „Das empfinde ich als wertschätzend.“

Einige neue Ideen hat Wesselmann natürlich auch. Derzeit ist „Jugendbeteiligung“ ein großes Thema im JZ, nachdem im Juli eine große Sozialkonferenz im Stahlwerk abgehalten wurde (wir berichteten). Die habe viele gute Ideen gebracht, zum Beispiel eine Webseite, auf der Praktikumsplätze gelistet werden. „Das ist natürlich sehr zeitsparend, statt mit jedem Jugendlichen einzeln zu surfen.“

Ausbauen möcht Wesselmann das Kulturprogramm. Konzerte, aber auch die Einrichtung eines Musikraums – dafür muss das ungenutzte Fotolabor weichen – inklusive Anschaffung von Instrumenten. Außerdem sollen Kooperationen mit anderen Jugendeinrichtungen ausgebaut und neue Gruppen angesprochen werden. Live-Rollenspieler, Tänzer, ein Spieleklub etwa. „Was genau dazu kommt, mache ich davon abhängig, wer auf uns zu kommt. Letztlich geht es immer darum, einen Mehrwert für die Kids zu schaffen.“