Warm klingende Barockmusik Meller Kammerorchester fasziniert in St.-Matthäus

Von Sunhild Salaschek

Brillant: Solistin Cristina Aravena (links).Foto: Sunhild SalaschekBrillant: Solistin Cristina Aravena (links).Foto: Sunhild Salaschek

Melle. War Wolfgang Amadeus Mozart schlicht zu faul, für die „Prager Symphonie“ den üblichen vierten Satz zu schreiben? Oder war es seine Form, sich an die Italienische Kompositionsweise anzulehnen? Diese Frage ließ Ewald Bitter, Dirigent des Meller Kammerorchesters, unbeantwortet im Raum. Sein Orchester war fleißig genug, diese Symphonie als krönenden Abschluss eines wunderschönen Konzertes einzustudieren.

Die Meller eröffneten das Konzert in der alten St.-Matthäus-Kirche mit der Ouvertüre zur Oper „Rinaldo“ von Georg Friedrich Händel. Die Besucher der gut gefüllten Kirche genossen von Anfang an die eingängige Musik, zumal Bitter bei seiner informativen Moderation die komplizierten Hintergründe im Nachhinein erläuterte.

Bei aller vom Dirigenten eingeforderten Präzision musizierte das Orchester stets aussagekräftig und warm. Darüber hinaus hatte es ein ansprechendes, in sich geschlossenes und dennoch variantenreiches Programm zusammengestellt.

So folgte auf die Rinaldo-Ouvertüre das Konzert für Violine, Streicher und Basso continuo a-Moll (BWV 1041).

Lebt Ersteres von der Abwechslung zwischen mehreren Solostimmen und Tuttiklängen, stehen nun das Miteinander und die Gegensätze zwischen den leuchtenden Melodien einer einzelnen Geige und dem Gesamtorchester im Vordergrund.

Dabei verstand es die junge Solistin Cristina Aravena gleichermaßen zu brillieren wie sich tonschön einzufügen. Einfach mitreißend!

Mit dem folgenden „Divertimento“ (wörtlich: Vergnügen) Nr. 2 F-Dur (Hob. II:23) für zwei Oboen, zwei Hörner und zwei Fagotte bereitete das wunderbare Bläsersextett reines Vergnügen.

Mit Frohsinn ging es auch weiter. Selbst wenn manch einer verwundert auf die Lebensdaten (1874–1934) des Komponisten Gustav Holst geschaut haben mag. Holst hatte die nach dem Londoner Stadtteil „Brook Green“ benannte Suite anlässlich seiner dort gefeierten Hochzeit komponiert. Das Orchester fing bei aller Besinnlichkeit des Mittelsatzes diese wohlgemute Stimmung ausgezeichnet ein.

Den Höhepunkt des überwiegend barock-klassischen Konzerts bildete die zum Schluss gespielte Symphonie Nr. 38 von Mozart. Schon fast den Rahmen eines Kammerorchesters sprengend, spielten hier Streicher und Bläser gemeinsam die herrliche Komposition.

Die farbenreiche, lebendige Interpretation des Meller Kammerorchesters faszinierte das Publikum hier ganz besonders. Immer wieder erneut aufbrandender Beifall zeigte die Dankbarkeit der Hörer.