2000 Fundstücke aus Krukum Jäger waren in Riemsloh schon vor 12 000 Jahren aktiv

Von Norbert Wiegand

Pfeilspitzen, Werkzeuge zum Schneiden und Schaben präsentieren im alten Rathaus Bodo Zehm, Meinhard Krüger und Lisa Materna (vorne von links). Burkhard Fromme, Silke Meier und Günter Oberschmidt schauen ihnen dabei über die Schulter. Foto: Norbert WiegandPfeilspitzen, Werkzeuge zum Schneiden und Schaben präsentieren im alten Rathaus Bodo Zehm, Meinhard Krüger und Lisa Materna (vorne von links). Burkhard Fromme, Silke Meier und Günter Oberschmidt schauen ihnen dabei über die Schulter. Foto: Norbert Wiegand

Melle. Bereits zum Ende der letzten Eiszeit waren im Gebiet des heutigen Riemsloher Ortsteiles Krukum Menschen ansässig. Den Beweis brachte jetzt eine wissenschaftliche Untersuchung von 2000 Fundstücken, die Meinhard und Susanne Krüger in mehr als 15 Jahren gesammelt hatten.

Die Ergebnisse der archäologischen Forschung wurden am Mittwochabend im Rathaus erstmals präsentiert. „Bei den Einzelfunden, die der ausgehenden Altsteinzeit zugeordnet werden können, handelt es sich überwiegend um baltische Feuerstein-Artefakte“, erklärte die Archäologin Lisa Materna, die ihre mit 1,3 bewertete Masterarbeit an der Universität Münster ausschließlich den Riemsloher Funden gewidmet hatte. Die Wissenschaftlerin kommt darin zu dem unstrittigen Ergebnis, dass im untersuchten Gebiet vor 12000 Jahren bereits Menschen gelebt haben. Vermutlich waren sie dort auf der Jagd nach Rentieren.

Die von Meinhard Krüger gefundenen Pfeilspitzen, zugeschlagenen Steinklingen, Schneide-Werkzeuge und Feuerstein-Bruchstücke stammen teilweise aber auch aus der mittleren Steinzeit (von 9600 bis 6800 v. Chr.) und der ausgehenden Jungsteinzeit (2600 bis 2200 v. Chr.). Damit werde deutlich, dass der Riemsloher Fundplatz aufgrund seiner Bodenbeschaffenheit und naturräumlichen Lage besondere Vorteile für steinzeitliche Jagdgesellschaften geboten haben muss, erläuterte die Archäologin.

„Die Menge der Fundstücke und die Größe der Fundfläche sind einzigartig und ein großes Glück für die archäologische Forschung“, freute sich der Osnabrücker Kreis- und Stadtarchäologe Bodo Zehm über die aufmerksamen Finder, die ihn schon früh informiert und kontaktiert hatten. Schon bei den ersten Begegnungen habe sich herausgestellt, dass es sich nicht einfach um spitze Steine, sondern um von Steinzeit-Menschen bearbeitete Werkzeugreste handelte. Zehm dankte auch dem Landkreis Osnabrück, der das Forschungs-Projekt mit 5000 Euro gefördert hat. Ebenso freute er sich über die Unterstützung der Stadt Melle mit 1000 Euro.

Spaziergang-Funde

„Bei Spaziergängen mit meinen Hunden habe ich immer wieder solche Artefakte auf dem Ackerstück am Markenweg gefunden“, gab Finder Meinhard Krüger Einblicke in seine Sammelleidenschaft. „Vor allem nach Auswaschungen durch starke Gewitterschauer traten auf der sandigen Anhöhe oft erneut steinzeitliche Bruchstücke zutage.“ Der sandige Boden auf einer kleinen Erhebung könnte auch eine Erklärung dafür sein, dass der Ort mehrere Jahrtausende lang für Steinzeitjäger ein attraktiver Aufenthalts-, Lager- und Zerlegeplatz war.

„Offenbar war der Grönegau schon vor 12000 Jahren eine attraktive Gegend für umherwandernde Menschen“, freute sich die stellvertretende Bürgermeisterin Silke Meier über die kleine archäologische Sensation. Für die präsentierten exemplarischen Fundstücke interessierten sich auch Riemslohs Ortsbürgermeister Günter Oberschmidt, der städtische Wirtschaftsförderer Hartwig Grobe und Burkhard Fromme, Leiter des Kulturbüros des Landkreises Osnabrück.

Weitere Informationen gibt es für alle Interessierten am Montag, 8. Dezember, ab 19.30 Uhr in der Alten Posthalterei an der Haferstraße 17. Dort referiert Lisa Materna auf Einladung des Heimatvereins Melle über die wissenschaftliche Auswertung der Funde.