Mit Margarete von Schwarzkopf Meller Kulturherbst: Ausklang mit NDR-Journalistin

Von Marita Kammeier

Expertin: Margarete von Schwarzkopf.Foto:KammeierExpertin: Margarete von Schwarzkopf.Foto:Kammeier

Wellingholzhausen. „Der Berg“, das Buch des Autors Dan Simmons handelt von einer abenteuerlichen Expedition und ist eins von 20 ausgewählten Neuerscheinungen, die von der Literaturexpertin Margarete von Schwarzkopf im Fachwerk 1775 vorgestellt wurden.

„Was kann schöner sein, als zu Beginn der Winterzeit im warmen Zimmer ein gutes Buch zu lesen“, begrüßte Buchhändler Michael Sutmöller die Besucher der achten Veranstaltung „Neues aus der Bücherwelt“, die zugleich den Ausklang des Meller Kulturherbstes bildete.

„Meine Mutter brachte mich zum Lesen, als ich sieben Jahre alt war. Damals begann die Sucht nach den lesenswerten Neuerscheinungen“, erzählte die NDR-Journalistin, bevor sie das vielfältige Programm mit Informationen aus Liebes-, Familien-, Landschafts- und Kriegsgeschichten startete.

Gründlich recherchierte historische Romane mit einer umfangreichen Seitenzahl wie das Werk „Ich, Maximilian, Kaiser der Welt“ von Peter Prange wechselten mit Sachbüchern, klassischen Krimis und Unterhaltungslektüre. Tief unter die Haut gehende Schicksale schildern die Autoren Robert Seethaler in „Ein ganzes Leben“ ebenso wie Stephanie Bart. In dem Buch „Deutscher Meister“ schreibt sie über das Leben des Boxers Johannes Trollmann, der den in der Nazizeit gewonnenen Titel erst 50 Jahre später erhielt. Da war er leider schon tot.

Ähnlich ergreifend verknüpft der amerikanische Schriftsteller Anthony Doerr das Schicksal der blinden Marie Laure, die 1944 in St. Malo lebt, mit dem Leben eines 18-jährigen Waisenjungen, der als Propagandastimme der Nazis dient. „Alles Licht, das wir nicht sehen“ ist ein großer Unterhaltungsroman mit historischem Hindergrund.

In dem Sachbuch „Sommer 1927“ schildert der Amerikaner Bill Bryson die Aufbruchstimmung zu neuen Ufern und das zu einer Zeit, als die Welt noch in Ordnung war. Ein kleines Dorf in der Nähe des bekannten mexikanischen Ferienortes Acapulco ist der Schauplatz von tapferen Frauen, die in dem Buch von Jennifer Clement „Gebete für die Vermissten“ für ihre Kinder und gegen das gefährliche Umfeld kämpfen.

„Irland im Aufbruch und große Gefühle, die unter die Haut gehen“, so beschrieb die vortragende Vielleserin den Roman „Jede einzelne Minute“ des Iren Hugo Hamilton. Autobiographische Züge hat die Geschichte „Eis“ der Finnin Ulla-Lena Lundberg: Ein charmanter, junger Pfarrer für die von der Natur geprägten Insulaner in die Neuzeit.

Mit den Worten „Trau keinem Journalisten oder Schriftsteller, denn er wird alles Erlebte im Text beschreiben“, stellte Margarete von Schwarzkopf das Buch der Engländerin Magali Robathan „Die Frau von Shearwater Island“ vor. Es handelt von Inselbewohnern und ihren Geheimnissen, die ein Londoner Schriftsteller entschlüsseln will.

Tausend Kilometer wandert ein Mann durch England, um nach 20 Jahren seine Freundin im Hospiz zu besuchen. Beeindruckende Recherchen kennzeichnen das Buch „Der nie abgeschickte Liebesbrief an Harold Fry“ von Rachel Joyce. Witzig und warmherzig erzählt David Niebolls in „Drei auf Reisen“ eine Trennungsgeschichte, die zu einer besonderen Vater-Sohn-Beziehung führt.

Für jeden Geschmack war an diesem Abend etwas dabei. Klar, prägnant und zugleich spannungsgeladen.