Seepferdchen statt Schwimmabzeichen Meller Grundschulen engagiert beim Schwimmunterricht

Von Martin Heuer

Die triste Atmosphäre im Meller Hallenbad reizt nicht unbedingt zum ausgiebigen Schwimmen. Foto: Archiv/Martin DoveDie triste Atmosphäre im Meller Hallenbad reizt nicht unbedingt zum ausgiebigen Schwimmen. Foto: Archiv/Martin Dove

Melle. Die Zahlen klingen beängstigend. „In Niedersachsen kann jeder zweite Grundschüler nicht mehr richtig schwimmen“, sagt Ralf Zimmermann aus dem Vorstand der DLRG Niedersachsen. Zwar werde zumeist noch das obligatorische „Seepferdchen“ absolviert, aber dadurch seien die Grundschüler noch lange keine sicheren Schwimmer.

Denn als Anforderung für einen sicheren Schwimmer sieht die DLRG das Jugendschwimmabzeichen in Bronze. Und das haben nach Ende des vierten Schuljahres bundesweit nur 55 Prozent der Pennäler erworben.

Schüler im Lintorfer Bad

Wie stellt sich die Situation an den Grundschulen der Stadt Melle dar? Wird noch genügend Unterricht gegeben? Erst einmal Erleichterung, denn in allen Meller Grundschulen zählt Schwimmunterricht zum Unterrichtsplan. Zumeist in den dritten und vierten Jahrgangsstufen. Eine Ausnahme macht die Grundschule Eicken-Bruche, die sogar schon in der zweiten Klasse Schwimmübungen anbietet.

Erfreulich, dass einige Schulen wie Wellingholzhausen oder Oldendorf in Kleingruppen von rund 15 Schülern trainieren. Die Schüler beispielsweise aus Westerhausen, Oldendorf und Bruchmühlen weichen für den Unterricht in das Hallenbad Lintorf aus.

Das Schwimmtraining der Schulen kann durchaus als qualifiziert bezeichnet werden. Denn Lehrkräfte, die Schwimmunterricht erteilen, müssen sich alle drei Jahre einer praktischen Fortbildung stellen: In den Kursen wird auch das Retten und Wiederbeleben geübt.

„Viele Kinder haben das Seepferdchen, doch richtiges Schwimmen sieht anders aus. Das können nur noch wenige“, sagt Klaus Pilkenroth. Der DLRG-Ortsgruppenchef bemängelt insbesondere die fehlenden Grundlagen wie Koordination und Feinmotorik. „Da müssen wir selbst mal nach Hause blicken. Die Kinder sitzen vor den Computern, wer balanciert heute noch auf einem Baum?“ Für die Lehrkräfte hat Pilkenroth Verständnis: „Die Lehrer sind doch in der Regel mit 30 Kindern alleine. Da muss man sich nicht wundern, wenn die Kinder nur bis zu den Knien ins Wassergelassen werden.“

Der Mangel an Schwimmunterricht in manchen Schulen führt die Kinder in die teureren Anfängerkurse bei privaten Anbietern. Aber auch die DLRG und der SC Melle können nur bedingt Abhilfe schaffen: „Unsere Kurse sind schon bis Ende nächsten Jahres ausgebucht“, sagt der DLRG-Chef Pilkenroth. Er hofft: „Vielleicht wird ja mit dem neuen Hallenbad alles besser.“

Denn frühkindliches Schwimmen ist nicht nur lebenswichtig, sondern es fördert auch die kindliche Entwicklung, unterstützt das Selbstbewusstsein und stärkt die Selbstständigkeit - und es macht Spaß, wenn man es beherrscht.

„Schwimmen sollte wie Lesen, Rechnen und Schreiben zu den Grundlagen gehören, die in den Schulen vermittelt werden“, sagt Rettungsschwimmer Zimmermann. Immerhin ist die Zahl der Ertrunkenen in Niedersachsen mit 33 in 2014 gegenüber dem Vorjahr (41) um acht gesunken – aber immer noch 33 zu viel.