Musikfestival „Phoenix“ Zaubergeiger in Melle: Zauber verflogen

Von Conny Rutsch

Die drei Künstler Jho Kaufmann am Flügel, Susanne Schulz und Faiq, beide Geige, (von links) traten am Sonntag im Städtischen Festsaal auf. Foto: Conny RutschDie drei Künstler Jho Kaufmann am Flügel, Susanne Schulz und Faiq, beide Geige, (von links) traten am Sonntag im Städtischen Festsaal auf. Foto: Conny Rutsch

Melle. Zaubergeiger. Wenn ein ausübender Künstler derartig angekündigt wird, ist die Erwartungshaltung entsprechend hoch. Am Sonntagnachmittag trat eben dieser Zaubergeiger Faiq im Rahmen des „Meller Kulturherbstes“ auf.

Meisterwerke der Klassik standen auf dem Programm ebenso wie Musik aus jüdischer, christlicher und islamischer Kultur.

Selbstbewusst erklärte der Künstler, dass er mit seiner Organisation „Musikfestival Phoenix“ inzwischen weltweit mit seinem europäischen Integrationsprojekt präsent sei.

Mit dem langsamen Satz aus der g-moll-Sonate von Johann Sebastian Bach begann er den Konzertabend. Hatte er das Werk des barocken Komponisten romantisch angelegt? Oder warum war nicht einmal ein gleichmäßiges Metrum zu hören? Der Künstler aus Aserbeidschan ist offensichtlich in seinem Interpretationsverständnis in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts haften geblieben. Das „Capriccio Nr. 24“ von Nicolò Paganini, dem wirklichen Zaubergeiger der Romantik, stand als nächstes Werk auf dem Programm. Technisch mit Zupfelementen in der linken und Springbogen in der rechten Hand hat Faiq das Stück sicherlich einmal beherrscht, für ein anspruchsvolles Konzert in der Jetztzeit reichte es dann jedoch nicht mehr.

Sein Begleiter am Flügel war Jho Kaufmann. Er spielte pianistisch wohl hochwertig, atmete mit dem Geiger jedoch nicht mit, sodass nur wenige gemeinsame Einsätze tatsächlich zusammenklangen.

Im zweiten Teil des Programms brillierte die Violinistin Susanne Schulz. Quer durch die Musikkultur spielte sie feinsinnig und mit Herzblut, ebenfalls begleitet von Jho Kaufmann, auch am Akkordeon.

Als sie später den „Zaubergeiger“ zum Zusammenspiel auf die Bühne bat, erklärte dieser, dass beide sich gerade erst kennengelernt hätten. Bewundernswert kam dann die improvisatorische Leistung der Künstlerin zur Geltung, vor allem in der Zugabe mit fantastischen spontanen Einfällen in der äußerst schwierig zu spielenden Flageolettkunst, bei der die Finger der linken Hand die Geigensaiten mit leichtem Fingeraufsatz nur berühren.

Insgesamt war es eigentlich ein Programm, das neugierig machte. Mit dem Titel „Zaubergeiger“ sollte Faiq allerdings vorsichtiger umgehen. Damit kann er den heutigen jungen Geigenvirtuosen keinesfalls mehr das Wasser reichen und enttäuschte zumindest zu Beginn des Konzertes die knapp 50 Zuhörer im Städtischen Festsaal.