Geteilter Mantel vor dem Mahll Henning Scherf beim Martinimahl in Buer bei Melle

Von Conny Rutsch

Die diesjährige Gastrede beim Martinimahl in der Kirche in Buer hielt Henning Scherf, der den roten Martiniumhang trug. Foto: Conny RutschDie diesjährige Gastrede beim Martinimahl in der Kirche in Buer hielt Henning Scherf, der den roten Martiniumhang trug. Foto: Conny Rutsch

Buer. Eine ungewöhnliche Veranstaltung in Buer ist auf dem guten Weg, zur Tradition zu werden. Zum zweiten Mal hatte die Kirchengemeinde unter dem Leitgedanken des Teilens am Freitagabend zum Martinimahl geladen.

Zum Eingang reichten Mitglieder der evangelischen Jugend selbst hergestellten Apfelmost und Martinibrötchen, bevor die fast 80 Gäste an den festlich gedeckten und mit großen Kandelabern beleuchteten Tischen Platz nahmen, um diesen Abend zu genießen.

Klarinettist Daniel Graumann, der auf Initiative unserer Zeitungsmitarbeiterin Sigrid Sprengelmeyer inzwischen Meisterschüler von Giora Feidman ist, und seine Gitarrenbegleiterin Iris Lenz umrahmten den Abend stimmungsvoll musikalisch.

Vor dem Martinimahl dann begrüßte Hausherr Pastor Ingo Krahn den diesjährigen Festredner Henning Scherf , ehemals Bremens Bürgermeister. „Jetzt ziehen Sie mal kräftig“, bat Krahn den Gast und reichte ihm eine Seite des roten Samtmantels, den seine Frau Anna-Lena extra für diesen Abend genäht hatte.

An der Sollbruchstelle einer Klettverbindung rissen sie den Mantel in zwei Teile auseinander, wie es Martin von Tour, Namenspatron der Bueraner Kirche, aus Barmherzigkeit für einen unbekleideten armen Mann vor vielen Jahrhunderten getan hatte. Mit dem roten Umhang um die Schultern informierte und unterhielt Henning Scherf die Gäste über das Thema, das heute wichtiger ist als je zuvor. Schon mit Mitte vierzig, nachdem die Kinder aus dem Haus gegangen waren, habe er sich zusammen mit seiner Frau und Freunden ein Wohnkonzept für den „dritten und vierten Lebensabschnitt überlegt“, sagte er.

Es seit wichtig, die alten Menschen in Städten und Dörfern ins Leben zu integrieren und ihnen das Gefühl zu geben, mittendrin zu sein. Wohnkonzepte für mehrere Generationen seien für das Leben im Alter von großer Bedeutung. „Wohnräume dieser Art bilden eine Strahlkraft für jeden Ort“, betonte Scherf und berichtete dann über seine Erfahrungen des Wohnens mit zehn Mietparteien, wie er es seit 27 Jahren betreibt. Auch die Pflege gehöre für ihn und seine Frau in diesem Konzept zur selbstverständlichen Aufgabe. Die Sorge dafür, dass die Alten nicht alleingelassen werden, sei eine große Aufgabe für die jüngere Generation.

Bei Gänsekeulen mit Rotkohl und Klößen sowie Bratapfel zum Nachtisch entwickelten sich daraufhin interessante Gespräche in der Kirche.