Viel Regen zur Erntezeit Geduldsprobe für Landwirte in Melle: Preise fallen

Von Norbert Wiegand

Unterdurchschnittlich: So beurteilt Reinhold Andrup aus dem Ortsteil Laer die Menge und Qualität des 2014 geernteten Weizens. Foto: Norbert WiegandUnterdurchschnittlich: So beurteilt Reinhold Andrup aus dem Ortsteil Laer die Menge und Qualität des 2014 geernteten Weizens. Foto: Norbert Wiegand

Melle. Unterdurchschnittliche Qualitäten und hohe Feuchtigkeitsgehalte trübten die Stimmung der Landwirte bei der Getreide-Ernte 2014 – das erklärte Reinhold Andrup jetzt in einem Gespräch mit unserer Zeitung.

Dagegen tat die feucht-warme Witterung dem Mais gut, wie die Ernte im Oktober und Anfang November zeigte. Beim Gras konnte wegen der langen Vegetationsperiode örtlich sogar bis in den November hinein ein fünfter Schnitt eingefahren werden.

Mit fast täglichen Regenfällen hatten die Landwirte im Grönegau dagegen während der Erntezeit im August zu kämpfen. Von der anhaltenden Nässe auf den Äckern war vor allem der Weizen betroffen. In einigen Fällen konnte auf den Ähren keimendes Getreide nur noch in Biogasanlagen verwertet werden.

„Mit durchschnittlich 80 Doppelzentnern (dt/ha) pro Hektar blieb der Weizenertrag unter den langjährigen Mittelwerten“, blickt Reinhold Andrup auf die Ernte 2014 zurück. „Die feuchtwarme Witterung förderte Pilzkrankheiten und der Starkregen sorgte für einen hohen Anteil an Lagergetreide (am Boden liegende Halme und Ähren) und für schlechte Qualitäten“, erklärt der Landwirt aus dem Meller Ortsteil Laer. 75 Prozent der eingefahrenen Ernte musste nachgetrocknet werden.

Die Weizenernte zog sich wegen der nassen Böden von Anfang August bis in den September hin. „Außerdem sind vor dem Hintergrund global wachsender Erntemengen die Erzeugerpreise für alle Getreidearten und Raps eingebrochen“, ergänzt der Landvolk-Sprecher.

Immerhin gab es bei Gerste, Raps und Mais durchschnittliche, teilweise sogar leicht überdurchschnittliche Erträge – bei allerdings fallenden Preisen. Der größte Teil der Gerstenernte konnte innerhalb einer trockenen Woche im Juli meist zügig bei relativ günstigen Witterungsbedingungen abgeschlossen werden. „Da es zuvor keinen Winter gab, wurde der Mehlkörper der Wintergerste deutlich kleiner als üblich“, ging Andrup auf eine verbreitete Qualitätsminderung ein. Den Durchschnittsertrag der Gerste im Grönegau bezifferte er mit 80 dt/ha.

Schwierige Wetterbedingungen prägten die Rapsernte Ende Juli und Anfang August. 50 Prozent der Ölsaat konnten nicht trocken geerntet werden. Kostenaufwändige Nachtrocknungen waren die Folge. „Erfreulich waren aber die hohen Ölgehalte und die guten Durchschnittserträge von 40 dt/ha“, ergänzt der Laerer Schweinemäster und Ackerbauer.

Positiv beurteilt Andrup die Ergebnisse der Maisernte: „Bei guten Erträgen konnten sich die Rinderhalter und Biogasanlagen-Betreiber eindecken und ihre Vorräte auffüllen.“ Der ständige Wassernachschub in einem überdurchschnittlich warmen Jahr hatte dem Mais offenbar gutgetan. Der Anteil der Fläche für den Maisanbau sei im Grönegau etwas zurückgegangen, so der Landvolk-Sprecher.

Vom feuchtwarmen Wetter profitierte auch der Grasaufwuchs, da es keine einzige Wachstumspause wegen trockener Hitze gab. So gab es dieses Jahr mancherorts sogar einen fünften Grasschnitt im Oktober oder Anfang November. Der späte Schnitt vergrößerte nochmals in geringem Umfang die Grassilage-Vorräte für Rinder, er sorgte aber vor allem für einen guten Zustand der Wiesen vor dem Winter.

„Alles in allem können wir gute durchschnittliche Erntemengen bei breiten Schwankungen der Qualitäten und Futterwerte verzeichnen“, lautet das Fazit von Reinhold Andrup. „Allerdings gibt es einen Einbruch der Erzeugerpreise auf breiter Front und das gilt auch für Kartoffeln und Zuckerrüben.“