Schweißtreibend herausgemeißelt Meller Ulferts besitzt ein Stück der Berliner Mauer

Von Konstantin Stumpe

Ein Stück Geschichte im Keller.Foto: Konstantin StumpeEin Stück Geschichte im Keller.Foto: Konstantin Stumpe

Melle. Ein Stück der Berliner Mauer hat einen ganz besonderen Platz im Haus von Dieter Ulferts. Unter größter Anstrengung und in schweißtreibender Meißelarbeit hat ein Freund des ehemaligen Fachwarts für Leichtathletik das Stück herausgeschlagen. „Der Brocken wiegt über sechs Kilo“, schwärmt Ulferts.

Das Mauerstück war ein Geschenk eines Westberliner Übernachtungsgastes aus dem befreundeten Sportverein SSV Lichtenrade. „Die Sportvereine in Westberlin waren sehr stark isoliert und hatten nicht sehr viele Möglichkeiten, auch gegen andere Sportler anzutreten. Deshalb haben die Westberliner Vereine Partnervereine im Westen gesucht“, erklärt Ulferts. Der Kontakt zum SSV Lichtenrade ist über den damaligen Meller Bürgermeister Clemens Schwertmann entstanden. „Im Urlaub in Bad Wildbad im Schwarzwald hat er den Leichtathletiktrainer des Lichtenrader Vereins, Rudi Wagenau, getroffen.“

Nach Absprache mit Dieter Ulferts, der zu der Zeit Fachwart für Leichtathletik war, ist eine Partnerschaft ins Leben gerufen worden. „Jedes Jahr sind mal wir nach Berlin oder die Berliner zu uns gekommen und haben zum Beispiel am Meller Volkslauf teilgenommen“, schwelgt Ulferts in Erinnerungen. 1976 fand der erste Besuch des SSV Lichtenrade in Melle statt. „Über 100 Personen sind damals mitgereist. Weil nicht alle in Jugendherbergen übernachten konnten, habe auch ich immer eine Familie aufgenommen“, erinnert sich der Rentner. „Von Norbert Ruprecht habe ich dann bei einem der Besuche das dicke Stück Mauer als Dank für die Übernachtungsmöglichkeit bekommen“.

Der Mauerbrocken hängt nun, versehen mit einem stabilen Haken, an einer Wand im Keller bei Dieter Ulferts. Darunter erinnert ein Foto aus dem Garten von Ruprecht an die noch unbeschädigte Mauer. „Die Mauer trennte den Garten von Norbert direkt von dem Staatsgebiet der DDR. Dahinter begann sofort der Todesstreifen.“Auch die Läufe, die wir bei unseren Besuchen in Berlin ausgetragen haben, führten teilweise direkt an der Mauer entlang“, erinnert sich Ulferts.

Bis heute besteht ein enger Kontakt zwischen den Sportvereinen. „Die Besuche sind zwar seltener geworden, aber uns verbindet immer noch eine enge Freundschaft. Sogar eine Straße zeugt von der Verbindung zwischen Melle und dem Berliner Stadtteil Lichtenrade. Die Lichtenrader Straße wurde im Jahr 2000 benannt und liegt ganz in der Nähe der Ratsschule. Auch privat hält Ulferts Kontakt mit den Berliner Sportskameraden. Mit Eddy Kuchenbecker, von dem Ulferts auch ein kleines Stück Mauer erhalten hat, telefoniert Ulferts immer wieder.