Teilnehmer bestimmen Themen Gesprächskreis der VHS Melle entscheidet oft spontan

Von Norbert Wiegand

Auf neue Gesprächspartner hoffen die Teilnehmer des „Forums für Meinungsaustausch“, die sich jeden Mittwoch von 10 bis 11.30 Uhr in der Alten Posthalterei treffen. Foto: Norbert WiegandAuf neue Gesprächspartner hoffen die Teilnehmer des „Forums für Meinungsaustausch“, die sich jeden Mittwoch von 10 bis 11.30 Uhr in der Alten Posthalterei treffen. Foto: Norbert Wiegand

Melle. Thematische Vorgaben im Mittwochs-Gesprächskreis der Volkshochschule dienen meist nur dem Einstieg in die Gespräche. So kann beispielsweise unter der Überschrift „Demokratie und Europa“ schon mal der Bogen von „blauen ligurischen Zwiebeln“ bis zur „Mafia-Präsenz in Deutschland“ geschlagen werden.

„Oft kommt es in den 90-minütigen Sitzungen zu allerlei Abweichungen und auch zu Erörterungen ganz neuer Fragestellungen, die die Teilnehmer aktuell bewegen“, erklärt Vera Lange, die diesen Kurs (jeden Mittwoch von 10 bis 11.30 Uhr in der Alten Posthalterei) seit 20 Jahren mit viel Leidenschaft und Engagement leitet. Diese Dynamik in den Gesprächen ist erwünscht, denn das Wichtigste ist, dass sich die Mitglieder über das austauschen können, was sie besonders interessiert.

Oft geht es dabei um Inhalte, die mit Demokratie und Europa zu tun haben. „Aber auch Persönliches und sogar Tabu-Themen kommen gelegentlich zur Sprache“, ergänzt die Kursleiterin. Die offene Atmosphäre solle nicht durch ein zu enges thematisches Korsett beeinträchtigt werden.

Die meisten Mitglieder der Gruppe sind seit vielen Jahren dabei. „Unsere Treffen sind stets eine anregende Quelle, eigene Vorstellungen zu überdenken und neue eigene Gedanken zu fassen“, berichtet die in Melle lebende Schwedin Margit Freyberg-Neuendorf von ihren Erfahrungen. „Ich bereite mich zwar oft auf das vorgesehene Einstiegsthema vor, aber die Diskussionen nehmen meist spontan ihren eigenen Lauf – das Thema am Ende ist immer offen“, meint Heinz Klusmann. Dabei kommt es keineswegs nur zu wild durcheinandergewirbelten und nebeneinander stehenden Meinungsäußerungen. Die gut informierten Teilnehmer bringen auch fundiertes Wissen mit in die Runde. „Das schon ganz abgegriffene Grundgesetz liegt immer auf dem Tisch“, so Klusmann.

„Ich nehme von jedem Treffen etwas mit nach Hause“, sagt Erika Krüger, die lange in Holland gelebt hat und seit fünf Jahren in Melle wohnt. Sie schätzt an den Rede-Runden, dass gesellschaftliche Entwicklungen aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden. „In und nach den Gesprächen können wir unsere eigenen Sichtweisen nachjustieren“, sagt Brigitte Turowski. „Und es ist immer wieder eine schöne Erfahrung, dass sich alle Teilnehmer einbringen und zu Wort kommen.“

„Ich fühle mich so, als wäre ich schon immer dabei gewesen“, erklärt Eveline Paul, die gerade erst nach Melle gezogen und ganz neu in der Gruppe ist. Sie und die Meller VHS-Leiterin Sylke Witte machen allen Interessierten Mut, sich bei der VHS (Tel.: 05422/952-759, E-Mail: vhs-melle@lkos.de) anzumelden: „Eingeladen sind Frauen und Männer, aktive Rentner, Vorruheständler, Schichtarbeiter und alle, die gern über interessante und aktuelle Themen mit anderen sprechen und mehr darüber wissen wollen.“

Italienisches Gemüse

Karin Horstmannshoff ist bereits seit zehn Jahren dabei und bringt zu jeder Sitzung eine selbst erstellte Tischdekoration mit, die gelegentlich Einfluss auf den Gesprächsverlauf nimmt – wie die blauen Zwiebeln aus Ligurien. Das italienische Gemüse rückte bei einer Sitzung das Thema „Mafia in Deutschland“ in den Mittelpunkt des Treffens. In der Sitzung am vergangenen Mittwoch ging es anfangs um den Begriff „Weltsicht“, dem weitere Diskussionen über den „Urknall“ und die „Vielfalt der Religionen“ folgten.