Neue Technik hilft Leben retten Auch in Melle blieben Verkehrsunfälle über Stunden unentdeckt

Von Martin Dove

Aufrecht war dieser Kleinwagen 2001 nach einem Unfall an einem Baum in Himmern zum Stehen gekommen. Foto: Feuerwehr MelleAufrecht war dieser Kleinwagen 2001 nach einem Unfall an einem Baum in Himmern zum Stehen gekommen. Foto: Feuerwehr Melle

Melle. Am Arbeitsplatz, auf dem Wochenmarkt, im Freundeskreis – der tragische Ausgang im Vermisstenfall der beiden jungen Männer aus dem Kreis Herford bleibt auch im Grönegau Gesprächsthema.

Viele bedrückt dabei die Frage: Warum blieb das Unfallfahrzeug so lange unentdeckt? Auch in Melle hat es schon Fälle gegeben, bei denen Unfallopfer erst nach Stunden in ihrem Fahrzeug gefunden wurden.

So zum Beispiel am 17. November 2001, einem Sonnabend. In den frühen Morgenstunden verunglückte ein junger Autofahrer in einer Kurve der Wellingholzhausener Straße in Himmern. Der Kleinwagen flog in einen Wald und blieb aufrecht an einem Baum stehen. Der Unterboden war dabei zwischen den Bäumen kaum zu erkennen. Darüber hinaus verdeckten Sträucher die Sicht auf das Unfallfahrzeug.

Ausgerechnet der damalige Leiter der DRK Rettungswache Melle, Egon Lenger, und seine Frau waren es, die in einem Sekundenmoment auf den Unfall aufmerksam wurden. „Wir waren auf dem Weg zum Grünmüll in Wellingholzhausen. Meine Frau hat in einem kurzen Moment etwas in dem Wäldchen wahrgenommen. Ich hatte erst gar nichts gesehen“, erinnert sich der Rettungsassistent. Die beiden hätten sofort auf gerader Strecke angehalten und seien dann zu der Kurve zurückgelaufen. Tatsächlich stand ein Fahrzeug aufrecht mit der Front nach unten an einem Baum. „Der Mann lag unten in seinem Auto und war nicht erreichbar“, erzählt Egon Lenger.

Erst nachdem die Ortsfeuerwehr Wellingholzhausen mit Unterstützung aus Melle-Mitte das Fahrzeug gesichert hatte, konnte der Verletzte befreit werden und kam schwer verletzt ins Krankenhaus. Dass er Stunden nach seinem Unfall gefunden wurde, war angesichts seiner Verletzungen großes Glück: „Wenn das noch länger gedauert hätte, hätte es möglicherweise schlimmere Folgen gehabt“, erinnert sich Lenger.

Ein ähnlich gelagerter Fall in den 90er-Jahren fand hingegen kein glückliches Ende. Offenbar hatte sich der Unfall in Krukum damals bereits an einem Sonntagabend ereignet – gefunden wurde das Fahrzeug jedoch erst im Laufe des Montags. In dem Fahrzeug, das in einem tiefen Graben lag, war ein Mann tödlich verunglückt.

In Zukunft helfen möglicherweise automatische Notrufsysteme in Autos, dass Unfälle lokalisiert und gemeldet werden. Das sogenannte „eCall“-System, das ab Oktober 2015 in Neufahrzeugen Pflicht werden soll, wählt automatisch den Notruf und übermittelt die Koordinaten des Unfallwagens.

Mögliche Fehlalarme

Bereits in den vergangenen Jahren wurden auf diese Weise Unfälle im Grönegau gemeldet, denn in einigen Fahrzeugtypen ist die entsprechende Technik bereits jetzt verbaut. So machten sich Rettungskräfte auf den Weg zu einem schweren Verkehrsunfall an der Osnabrücker Straße, weil ein modernes Auto einen automatischen Notruf abgesetzt hatte. Das System hatte nicht nur die Position des Unfallwagens, sondern auch die Anzahl der mutmaßlich Verletzten gemeldet. So konnten Rettungskräfte punktgenau losgeschickt werden.

Dennoch sind auch Systeme wie „eCall“ nicht ganz unproblematisch – zum Beispiel dann, wenn sie einen Fehlalarm senden und dadurch Rettungsfahrzeuge letztendlich unnötig binden: Weil ein Auto modernen Typs auf der Europastraße in Krukum bei spiegelglatter Fahrbahn in den Graben gerutscht war, löste das Notfallsystem Alarm aus. Zwar war bei dieser Technik eine telefonische Nachfrage der Servicezentrale im Fahrzeug vorgesehen, jedoch waren die beiden Insassen zu diesem Zeitpunkt bereits ausgestiegen.

Der Mitarbeiter des Callcenters ging angesichts der fehlenden Reaktion von bewusstlosen Insassen aus und leitete den Fall unverzüglich an die Rettungsleitstelle weiter. Zwei Rettungswagen und ein Notarzteinsatzfahrzeug machten sich auf den glatten Straßen auf den Weg.

Trotz möglicher Fehlalarme ist der Rettungsassistent Egon Lenger davon überzeugt, dass die Systeme Leben retten können: „Sicher wird es immer wieder mal falsche Alarme geben. Aber trotzdem haben Verunglückte dank dieser neuen Technik eine gute Chance, dass sie schnell gefunden werden.“