Provisoium kostet 5000 Euro Melle lässt im Bahnhofstunnel Matten für Rutsch-Sicherheit verlegen

Von Simone Grawe


Melle. Die Geschichte um die nicht rutschfesten Fliesen im Bahnhofstunnel ist um ein weiteres Kapitel reicher: Seit Mittwoch verlegen Mitarbeiter einer Spezialfirma sogenannte Bautenschutzmatten, um eine solide Rutschfestigkeit zu bieten. Kosten: rund 5000 Euro.

Beißender Geruch im Bahnhofstunnel: Frank Henseler und sein Kollege Wasili Leinweber von der Firma Schwutke säubern die sandsteinfarbenen rechteckigen Fliesen auf den beiden Treppen, im Tunnelbereich und die Zugänge zu den Fahrstühlen mit einer Verdünnung, um anschließend die Matten mit einem speziellen Hybrid-Klebstoff auf dem Untergrund zu befestigen. Dieser Belag soll den Passanten garantieren, dass sie sicheren Fußes durch den Tunnel auf den Bahnsteig des Bahnhofs und zurückgelangen können. Zweieinhalb Tage sollen die Arbeiten dauern, die Kosten trägt die Stadt.

Dies alles ist allerdings nur eine Zwischenlösung, denn auf lange Sicht sollen die Fliesen, um die ein handfester Streit entbrannt ist, ausgetauscht werden: „Ein Austausch ist aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich, denn das würde rund drei Wochen dauern. Und wenn der Frost kommt, liegt die Baustelle still“, äußerte sich Frank Henseler. Seit fast drei Jahren warnt die Stadt mit unschönen provisorischen Schildern an der Unterführung vor der Rutschgefahr, nachdem seinerzeit im Namen der Stadt und auf Rechnung der Deutschen Bahn AG beim Umbau des Bahnhofes falsche Fliesen geliefert worden waren.

Dabei wurden von dem beauftragten Unternehmen nach bisherigen Erkenntnissen Fliesen verwendet, die bei Feuchtigkeit nicht die geforderte Rutschfestigkeit aufweisen: „Das Beweissicherungsverfahren hat ergeben, dass die verlegten Fliesen nicht die im Auftrag angegebene Rutschfestigkeitsklasse 11, sondern die Rutschfestigkeitsklasse 10 besitzen“, berichtete Stadtplanerin Inge Bredemeier. Das Verlegen der Bautenschutzmatten ist somit eine Zwischenlösung vor dem Hintergrund, dass der Austausch der Fliesen technisch bedingt nicht in den Wintermonaten möglich ist.

„Wir werden die nächsten Wochen nutzen, um die Ausschreibung für den Austausch der Fliesen vorzunehmen“, sagte Inge Bredemeier. Sie sollen dann im Frühjahr verlegt werden.

Erst vor Kurzem sind dafür 75000 Euro im Nachtragshaushalt bereitgestellt worden, um den Austausch im Rahmen einer sogenannten Ersatzvornahme zunächst auf eigene Kosten vornehmen zu lassen. Wer letztlich den Austausch zahlen wird, muss gerichtlich erklärt werden. Eine Entscheidung steht noch aus. Darüber streiten sich die Stadt, die Bahn und der italienische Fliesenhersteller sowie die Meller Firma, die die Fliesen verlegt hat. Involviert sind zudem auch ein Meller Architekt und ein Großhändler.

Nicht zuletzt wegen des öffentlichen Drucks wird jetzt der Missstand beseitigt.