Feiertag am 9. November? Schröder-Vorschlag findet in Melle geteiltes Echo

Von Konstantin Stumpe


Melle. Der 9. November steht laut Altkanzler Gerhard Schröder „wie kein anderer Tag symbolhaft für die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts. Mit der Ausrufung der Republik 1918, der Pogromnacht 1938 und dem Mauerfall 1989 sei der Tag besser für einen Feiertag geeignet als der 3. Oktober. Nicht alle Menschen in Melle teilen die Meinung des früheren SPD-Parteichefs. In unserer Umfrage kommt oft die Antwort: „ Man sollte die Tage trennen, damit der Tag der Pogrome nicht mit dem Mauerfall vermischt wird und wir Deutschen so aussehen, als würden wir die Pogromnacht feiern.“

Silvia Englich nennt noch einen anderen Grund, warum der Feiertag weiterhin am dritten Oktober bleiben sollte. „Viele Menschen kennen sich mit dem genauen Ablauf der Geschichte sowieso nicht so gut aus. Letzten Endes ist es mir egal, an welchem Tag an den Fall der Mauer und die Wiedervereinigung gedacht wird.“ Es sei jedoch schöner, den Tag am 3. Oktober zu belassen, da der November schon mit vielen Gedenk- oder Feiertagen belegt sei. Auch Martin Heppe hält nichts davon, den Feiertag zu verlegen. „Der Gedanke der Einheit und an die Geschehnisse zählt, egal ob am 3. Oktober oder 9. November gefeiert wird. Mit der Wiedervereinigung verbinde jeder automatisch auch den Mauerfall. Der 3. Oktober besteht jetzt so lange, nun sollte man ihn beibehalten. Ein zusätzlicher Feiertag wäre jedoch ganz schön“, scherzt Heppe.

Dagmar Stachorra hat noch einen alternativen Grund parat, weshhalb der Feiertag am 3. Oktober bleiben soll. „Im Oktober ist das Wetter noch schöner, und man kann noch mal etwas im Freien unternehmen“, überlegt sie.

Vereinigung politischer

Der Tag der Wiedervereinigung sei jedoch auch aus politischer Sichtweise wichtiger als der Mauerfall, „auch wenn der 9. November viele Menschen bewegt hat“.

Friedhelm Burtscheidt schlägt vor, den 9. November als Feiertag nur für die neuen Bundesländer einzuführen. Für die Menschen war es damals etwas Besonderes. Zum ersten Mal nach langem Drängen waren die Grenzen für sie geöffnet, deshalb sollten sie auch einen Tag haben, der daran erinnert. In den alten Bundesländern könnte der Tag des Mauerfalls hingegen als Gedenktag eingeführt werden“, empfiehlt Burtscheid. „Die Erinnerung an beide Tage sollte jedoch nie verloren gehen.“

Rudolf Schürmann ist überzeugt davon, dass der 9. November das passendere Datum ist. „Nachdem die Grenzen geöffnet worden waren, wusste ich sofort, dass es nicht mehr lange dauert, bis die Wiedervereinigung bevorsteht. Außerdem war der Mauerfall ein sehr langer Prozess, der den Gipfel aus vielen vorangegangen Demonstrationen darstellte. Herr Schröder liegt vollkommen richtig.“ Ähnlich sieht es auch Bernhard Hoffmann. „Der 3. Oktober ruft keine Emotionen hervor. Am 9. November finden hingegen, wie jetzt am Wochenende, große Feiern statt, das bewegt die Menschen.“

Auch Siegrid Bartsch ist der Meinung, dass der 9. November eine elegantere Lösung ist, um der Geschehnisse vor 25 Jahren zu gedenken. „Warum sollten wir den Feiertag nicht verschieben?! Den 9. November finde ich einfach gerechter.“