Junge Philharmonie zu Gast Klausing-Orgel mit „Karneval der Tiere“

Von Conny Rutsch

Orgel trifft Tierisches: Mitglieder der Jungen Philharmonie Osnabrück, Stephan Lutermann (vorne) und der Pianist Christopher Wasmuth begeisterten.. Foto: Conny RutschOrgel trifft Tierisches: Mitglieder der Jungen Philharmonie Osnabrück, Stephan Lutermann (vorne) und der Pianist Christopher Wasmuth begeisterten.. Foto: Conny Rutsch

Melle. Tierisch ging es am Sonntagnachmittag in der Mattäuskirche zu. Für seine Reihe „Orgel trifft“ hatte Stephan Lutermann viele Zoobewohner eingeladen, inklusive eines Insektariums. Musikalisch, versteht sich.

Der „Karneval der Tiere“ bildete das Zentrum des fröhlichen Programms. Camille Saint-Saëns komponierte seine Suite für Kammerorchester mit Klavier 1886. Jedoch veröffentlichte sein Verleger das Werk erst nach dem Tod des Komponisten, der sich mit Aufführungen zu seinen Lebzeiten um seinen Ruf sorgte. Schließlich veralbert und zitiert er in einigen Sätzen Kompositionen von etlichen Kollegen, auch von sich selbst. Die Schildkröten „tanzen“ in Zeitlupe den berühmten Can-Can von Jacques Offenbach oder die Elefanten nach dem völlig verfremdet zitierten Elfentanz von Hector Berlioz.

Gackernde Hühner, schreiende Esel, hüpfende Kängurus, klappernde Fossilien oder der berühmte Schwan, dargestellt vom Cello, begeisterten am Nachmittag schon in einem Kinderkonzert mit Texten von Loriot. Für die Orchesterbesetzung mit zwei Violinen, einer Bratsche, Cello, Kontrabass, Flöte und Klarinette hatte Lutermann Mitglieder der Jungen Philharmonie Osnabrück gewinnen können. Er selbst vervollständigte zusammen mit dem Pianisten Christopher Wasmuth die Orchesterbesetzung an zwei Klavieren. Selbst die Pianisten erhalten von Saint-Saëns ihren „tierischen“ Beitrag, den sie mit Tonleiter-Etüden, wie von Carl Czerny bekannt sind, füllen müssen. Majestätisch schreitende Löwen oder im Aquarium gleitende Fische sowie das Flattern einer aufgeregten Vogelschar zauberten an diesem trüben Novembertag Lächeln in die Gesichter der Zuhörer.

Rund um den „Karneval der Tiere“ spielte Stephan Lutermann dann „tierische“ Beiträge auf der Klausing-Orgel. Aus dem Orgelkonzert in F-Dur von Georg Friedrich Händel, bearbeitet für Solo-Orgel, erklang der Satz „Der Kuckuck und die Nachtigall“, ein „ornithologisch-musikalischer Spaß“, wie es der Organist im Programmheft beschreibt. Und noch einen Kuckuck hatte er parat vom eher unbekannten Münchner Komponisten Johann Kaspar Kerll, der schon vor Händel im italienischen Stil den Vogelruf für Orgel imitierte.

Richtig spannend wurde es dann zum Schluss des Konzertes. Kurze Charakterstücke des 1955 in Hamburg geborenen Komponisten und Organisten Andreas Willscher verwandelten das Kirchenschiff in ein Surren und Schwirren. Aus dessen „Insektarium“ für Orgel entließ Stephan Lutermann Hornissen und Bienen, Kartoffelkäfer, Ameisenkolonnen und Heuschrecken farbenreich registriert und hochvirtuos vom Orgelboden zu den begeisterten Zuhörern.

Die Idee, ein derartig vielgestaltiges Tierkonzert in seine Reihe „Orgel trifft“ aufzunehmen, bezeichnete ein Konzertbesucher am Ausgang als Kabinettstück.