Luther, ein Titan und Kind seiner Zeit Rainer Spiering hält Bürgerpredigt zur Reformation

Von Conny Rutsch

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In protestantischer Tradition der Bürgerkanzel predigte der Bundestagsabgeordnete Rainer Spiering. Foto: RutschIn protestantischer Tradition der Bürgerkanzel predigte der Bundestagsabgeordnete Rainer Spiering. Foto: Rutsch

Melle. Während rum um die Kirchen der Trubel um die bunt angestrahlten „fabelhaften“ Häuser immer größer wurde, eröffnete Superintendent Wolfgang Loos den festlichen Reformationsgottesdienst in St. Petri.

„In Knallrot ist die Lebendigkeit der Kirche zu Hause“, sagte er mit Hinweis auf die roten Altar- und Kanzelbehänge. In der „protestantischen Tradition der Bürgerkanzel“ begrüßte er Rainer Spiering, den aus Bad Rothenfelde stammenden Bundestagsabgeordneten. Loos bezeichnete ihn als selbstbewussten Protestanten, der für Wahrhaftigkeit und Demut stehe.

Nach der Lesung aus den Seligpreisungen und einem gesungenen Glaubensbekenntnis begann Rainer Spiering dann seine Gedanken zum Reformationsfest mit den Worten: „Luther war ein Titan, ein Kind seiner Zeit.“ In seiner Ansprache setzte er einen Akzent auf Luthers Zwei-Reiche-Lehre, die die strikte Trennung von weltlicher Herrschaft und dem Reich Gottes bedeute. Thomas Müntzer, ebenfalls ein reformatorischer Revolutionär zur Zeit Luthers, wendete sich sogar noch weitergehend gegen die Ordnung der Stände. Gegen ein Regime und mit allen Konsequenzen, die Folter und Tod bedeuteten, habe auch Dietrich Bonhoeffer gehandelt, der seine persönliche Freiheit in einem anderen Leben gewähnt habe.

Mit Blick auf seine politische Arbeit im Bundestag bezeichnete Rainer Spiering den Grundgesetzartikel 1 als den wichtigsten. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, sagte er und fragte in die Gemeinde, ob wir wirklich alle bereit seien, diesen Artikel ernst zu nehmen. Das Wissen um Asylanten, Arbeitslosigkeit, Kinderarmut auch in Deutschland, der afrikanische Kontinent sowie die Krisengebiete in Syrien, dem Irak, der Ukraine oder dem Gaza-Streifen und nicht zuletzt die Ebola-Seuche bedeuteten Themen, die das eigene Handeln gegenüber denen, die leiden, hinterfragen sollten.

Nicht zuletzt sei es wichtig, auch im Sinne Martin Luthers für die Kinder in der Welt Perspektiven zu schaffen und zu streiten. Mit nachdrücklicher Bassbegleitung im Pedal leitete Kantor Andreas Opp den Reformationschoral „Ein feste Burg ist unser Gott“ ein.

Dann bat Wolfgang Loos die Gemeindeglieder darum, die Kollekte aktiv vorne vor dem Altarraum abzugeben, „wie es unsere Freunde in Südafrika tun“. Und während die „Opptimisten“, der Gospelchor der Petri-Gemeinde, der den Gottesdienst musikalisch gestaltete, eine unendliche Melodie intonierte, wanderten die Besucher singend zur Kollektenschale.

Festlich wie schon zu Beginn des Gottesdienstes intonierten die Trompeterinnen Michiko Sugizaki und Ursula-Maria Busch auch die Musik zum Ausklang.

Im Eingangsbereich der Kirche galt es dann, sich beim Verkosten der Reformationsbrötchen zu begegnen und auszutauschen. Ein Wermutstropfen zum Schluss: Von etlichen Gottesdienstbesuchern wurde bemängelt, dass die Ansprache zu leise über die Lautsprecheranlage übertragen worden sei.


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