Blumen auf Soldatengräber Meller Schüler nehmen in Belgien an Zeremonie teil


Melle. „Bravo, les jeunes“, rufen Mitglieder der militärischen Ehrengarden über den Platz vor dem Ehrenmal im belgischen Melle. Gemeint mit „les jeunes“ sind deutsche, französische und belgische Jugendliche, die eine Ehrenzeremonie für gefallene französische Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg mitgestaltet haben.

Die Schüler eint eine Heimatstadt mit dem Namen Melle. In den zurückliegenden Wochen haben sie aus der Perspektive junger Meller aus Frankreich, Belgien und Deutschland zum Ersten Weltkrieg in ihrer Heimatstadt geforscht. Sie haben sich sorgfältig auf die Zeremonie an diesem Samstag vorbereitet, das Gedicht „Le dormeur du val“ von Arthur Rimbaud ausgewählt, das drei Schülerinnen in ihrer Muttersprache vor der Ehrentribüne vortragen, auf der unter den zahlreichen Gästen der französische Botschafter in Belgien und ein Vertreter des belgischen Königshauses sitzen.

Im Rahmen der zweistündigen, streng militärisch organisierten Feier legen die Meller Jugendlichen auch einen selbst angefertigten Blumenkranz nieder. Als bei der Feier elf Schüler Blumen zu den Gräbern der gefallenen Soldaten bringen, zeigt sich der deutsche Projektkoordinator, Bernd Reifenberger, ergriffen.

„Dieses ist ein besonderer Moment - ein starkes Zeichen der Versöhnung, denn zum ersten Mal dürfen deutsche Staatsbürger an der Zeremonie teilnehmen,“ erklärt der Lehrer des Gymnasiums Melle. Für die deutschen Schüler ist die militärische Art der Zeremonie überraschend.

Die Gedenkfeier stellt den Abschluss einer Projektwoche dar, die 16 Jugendliche des Gymnasiums Melle und 15 Schüler aus Melle (Frankreich) vom Lycée Desfontaines bei der Gastgeberschule dem Sint Franciscus Instituut im flandrischen Melle verbrachten. Das Deutsch-Französische Jugendwerk, die Kreissparkasse Melle und die Stadt Melle förderten das Projekt finanziell.

Die Schüler der drei Meller Schulen hatten sich sorgfältig auf das Treffen in Belgien vorbereitet. Im Rahmen des Seminarfachunterrichts der 11. Klasse erforschten sie die Kriegerdenkmäler ihrer Stadt und recherchierten sie zu den Gefallenen und ihren Todesorten. Die Schüler ermittelten die Zahl von über 900 Gefallenen aus dem Raum Melle (D). Im belgischen Flandern starben von 1914 bis 1918 über 25 deutsche Meller. Diese und weitere Ergebnisse wurden in einer trinationalen Ausstellung im Foyer der belgischen Schule präsentiert. In weiteren Workshops boten die belgischen Gastgeber den Jugendlichen die Möglichkeit sich über das Theaterspiel, die Kunst und die Literatur mit dem Ersten Weltkrieg auseinanderzusetzen.

Der Schulleiter des Gymnasiums Melle, Ludwig Woll, begleitete die Gruppe während der Projekttage und nahm auch an den Exkursionen nach Ypern, Passendale und am Besuch eines deutschen, englischen und französischen Soldatenfriedhofs teil. Seine Bilanz fällt sehr positiv aus:“Die Schüler haben mit außergewöhnlichem Engagement gearbeitet und das Gymnasium sehr würdig vertreten“. Woll hat die französische und belgische Schulleiterin mit ihren Projektgruppen für den Herbst 2015 nach Melle eingeladen. Auch die Schüler blicken begeistert auf die trinationale Begegnung zurück.“Wir hoffen sehr, dass wir uns bald wiedersehen, um unsere Arbeit fortzusetzen, meint Seminarteilnehmerin Marlena Conen.

Das Vorbereitungstreffen der belgischen und deutschen Kollegen, Jan-Frans Dellaert und Bernd Reifenberger im belgischen Melle im Frühjahr diesen Jahres trug dazu bei die Kontakte zwischen den Stadtverwaltungen in beiden Städten wiederaufleben zu lassen. Die Idee einer Städtepartnerschaft aus den 1960er Jahren wurde wieder aufgegriffen. Die politischen Vertreter aus Deutschland und Belgien unterzeichneten am vergangenen Sonntag eine Partnerschaftsurkunde.


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