Dreckiges Sterben in den Schützengräben Illustrationen aus Graphic Novel in Kreissparkasse Melle

Von Dr. Stephanie Uhlhorn

Lioba Meyer (2. v. r.) und Frank Finkmann (rechts) eröffneten die Ausstellung von Peter Eickmeyer und Gaby von Borstel. Foto: Stephanie UhlhornLioba Meyer (2. v. r.) und Frank Finkmann (rechts) eröffneten die Ausstellung von Peter Eickmeyer und Gaby von Borstel. Foto: Stephanie Uhlhorn

Melle. Am Montagabend eröffnete Lioba Meyer die Ausstellung „Im Westen nichts Neues“ mit Illustrationen von Peter Eickmeyer in der Kundenhalle der Kreissparkasse.

Die Illustrationen stammen aus der Graphic Novel, die Peter Eickmeyer gemeinsam mit seiner Frau Gaby von Borstel gestaltet hat (wir berichteten mehrfach). Die ausgestellten Bilder sind Hintergrundbilder für jeweilige Doppelseiten im Buch im Format 70 mal 55 Zentimeter. Eickmeyer hat sie mit Gouache-Farben gemalt, einige hat er mit schwarzer Tuschefeder übermalt.

Der erste Blick des Besuchers fällt auf ein Mohnblütenfeld, doch schon auf der Rückseite überkommt den Betrachter das Grauen. Ratten bevölkern das Bild, eine Gasmaske folgt. Sie steht für die Schilderung eines Gasangriffes, bei dem Tausende Menschen starben. Stehen blieb nur der rote Klatschmohn, der in der Region um Ypern, in der auch Erich Maria Remarque stationiert war, bis heute an die Toten erinnert. „Es war ein dreckiges elendes Sterben in den Schützengräben“, heißt es in der Information zu der Ausstellung.

Der Künstler hat dies in eindrücklichen und beklemmenden Bildern versinnbildlicht. Remarque habe vielfältige visuelle Darstellungen in seinem Roman gegeben, die Peter Eickmeyer nun aufgenommen habe, erläuterte Lioba Meyer von der Osnabrücker Remarque-Gesellschaft in ihren einleitenden Worten. Dabei habe er den Roman, den meistverkauften des 20. Jahrhunderts, nicht illustriert, sondern neu erzählt. „Die Graphic Novel ist eine moderne Fortschreibung des Werkes“, die den Leser unmittelbar in ihren Bann ziehe. Eickmeyer nehme andere mediale Rezeptionen auf und setze sich mit der visuellen Darstellung des Ersten Weltkrieges auseinander.

Lioba Meyer zeigte auf, welche Künstler Eickmeyer in seine Bilder integriert hat. Besonders wies sie auf das „schreiende Pferd“ von Picassos „Guernica“ (1937) hin. „In diesem Bild hat Eickmeyer zwei Ikonen der Antikriegskunst in Verbindung gebracht.“ Er wisse, dass wir den Ersten Weltkrieg nur in Bildern wahrnehmen könnten, denn die Realität dieses Krieges liege hinter Gebirgen von Bildern und Texten verschüttet. „Es bleibt zu hoffen, dass das Gesamtwerk in unserer Region erhalten bleibt“, schloss Meyer.

In diesem Punkt besteht Hoffnung. Laut Frank Finkmann, dem Vorstandsvorsitzenden der Kreissparkasse Melle, will die Niedersächsische Sparkassenstiftung die Bilder ankaufen; die Verhandlungen laufen. Die Stiftung besitzt auch schon das Originalmanuskript von „Im Westen nichts Neues“ . „Das macht man am besten zu Lebzeiten des Künstlers, sonst wird es zu teuer“, schmunzelte er mit Blick auf Peter Eickmeyer. Finkmann erklärte in seiner Begrüßung, die Sparkasse habe schon überlegt, ob sie ihren Kunden, die grausamen Bilder zumuten könne. Doch in Zeiten neuer Kriege habe sie sich bewusst entschlossen, die Werke nicht zu zensieren.

Die Ausstellung läuft bis zum 17. Oktober 2014 und ist während der Geschäftszeiten der Kreissparkasse zugänglich.