Applaus bei „Orgel trifft...“ Klangvolle Begegnung von Vater und Sohn in Melle

Mit Motetten von Carl Philipp Emanuel Bach begeisterten Mitglieder des Vokalconsorts Osnabrück im Rahmen der Reihe „Orgel trifft...“. Foto: Petra RopersMit Motetten von Carl Philipp Emanuel Bach begeisterten Mitglieder des Vokalconsorts Osnabrück im Rahmen der Reihe „Orgel trifft...“. Foto: Petra Ropers

Melle. Eine musikalische Begegnung zwischen Vater und Sohn begeisterte die Musikliebhaber in der St.-Matthäus-Kirche: Mit Werken von Johann Sebastian und Carl Philipp Emanuel Bach setzten Organist Stephan Lutermann und Mitglieder des Vokalconsorts Osnabrück die Konzertreihe „Orgel trifft...“ fort.

In der St.-Matthäus-Kirche ist das Motto „Orgel trifft...“ immer wieder ein Garant für spannende und oft unerwartete Begegnungen. Das Aufeinandertreffen von zwei Bach-Generationen lag da vergleichsweise nahe. Schließlich prägte die Komponisten-Familie wie kaum eine andere die Musikgeschichte. Den Orgelwerken des Vaters, an der historischen Klausing-Orgel in Szene gesetzt von Stephan Lutermann, stellte das Osnabrücker Ensemble unter seiner Leitung Vokalwerke seines Sohnes gegenüber. Und der galt zu seiner Zeit als bedeutendster Komponist und ein herausragender Pianist.

Der Ruf Carl Philipp Emanuel Bachs überstrahlte zu Lebzeiten sogar den seines Vaters und Lehrmeisters – eine Tatsache, die Lutermann vor allem den geänderten Hörgewohnheiten geschuldet sieht: „Der neue Zeitgeschmack forderte mehr Leichtigkeit und mehr Verzierungen in der Musik.“ Johann Sebastian widersetzte sich diesen Strömungen – auch in jenen Werken, die Lutermann für die Musikfreunde aus seinem reichen Œuvre herausgesucht hatte.

Stimmliche Klarheit

In beinahe strenger Festlichkeit und ganz ohne tragendes Pedal erhob sich dabei das Präludium in d-Moll. Bemerkenswert heiter bewegte sich trotz der Moll-Tonart die anschließende Fuge über die Manuale. Eine in langen Bögen geführte, nur sparsam verzierte Melodie prägte über verhaltener Begleitung den Choral „Schmücke dich, o liebe Seele“. Die reich ausgeführte und mit harmonischen Wendungen überraschende Melodie nahm dagegen dem Choralvorspiel zu „O Mensch, bewein deine Sünde groß“ alle Schwere.

Johann Sebastian Bachs Präludium C-Dur bot in seiner aus einem einzigen Thema entwickelten Geschlossenheit ein eindrucksvolles Beispiel der durchdachten Kompositionskunst des Vaters. „Aus der Seele muss man spielen und nicht wie ein abgerichteter Vogel“, befand dagegen sein zweitältester Sohn. Und aus der Seele komponierte er auch: Der empfindsame Stil Carl Philipp Emanuel Bachs kam mit seiner subjektiven Musiksprache dem Geist seiner Zeit entgegen. Damit bilden seine Kompositionen ein wichtiges Bindeglied zwischen Barock und Klassik.

Umso verwunderlicher ist es, dass das Werk Carl Philipp Emanuel Bachs noch immer in weiten Teilen unerschlossen ist. „Vieles existiert noch immer nur handschriftlich“, erklärte Lutermann den Musikfreunden in der St.-Matthäus-Kirche. Seine Motetten nach Texten von Christian Fürchtegott Gellert bot das Vokalconsort mit musikalischer Präzision, stimmlicher Klarheit und intensiver Ausdruckskraft dar.

Freudig feierten sie den „Trost der Erlösung“. Als Dialog der Stimmen entfaltete sich der eindringliche „Kampf der Tugend“. Zwischen zartem Gebet, kraftvoller Anrufung und dem in leise, dunkle Harmonien gekleideten Vertrauen im Tod wechselten dicht am Text die „Bitten“, bevor die strophisch gehaltene Motette „Die Menschenliebe Jesu“ des Bach-Sohnes die Überleitung zurück zum Werk des Vaters markierte. Ihren Platz in der Musikgeschichte haben sich beide gesichert – sehr zur Freude der Konzertbesucher, die das Treffen von Vater und Sohn Bach mit anhaltendem Applaus feierten.


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