Zu Gast in Bruchmühlen Eltern des ermordeten Mirco erzählen von ihrem Leid

Berühren die Herzen mit Mircos Schicksal: Reinhard und Sandra Schlitter. Fpto: SprengelmeyerBerühren die Herzen mit Mircos Schicksal: Reinhard und Sandra Schlitter. Fpto: Sprengelmeyer

spr Bruchmühlen. Der kleine Saal der freien evangelischen Gemeinde Bruchmühlen füllte sich langsam. Herzlichkeit, Wärme und Spiritualität begegneten dem Besucher des Vortrages der Eheleute Schlitter aus Grefrath. Sie haben im Jahre 2010 durch ein erschütterndes Verbrechen ihren damals 10 Jahre alten Sohn Mirco verloren.

In ihrem Buch „Verlieren, Verzweifeln, Verzeihen“ haben sie ihre Ängste, Hoffnungen, Gedanken und Begegnungen mit Gott niedergeschrieben nach dem gewaltsamen Tod ihres Sohnes Mirco . Pastor Rene Mühe sagte in seinen Begrüßungsworten: „Ich habe mir dieses Buch gekauft und erst mal ungelesen in das Regal gestellt. Habe es mit in den Urlaub genommen und ungelesen wieder mitgebracht. Aber nicht nur ich hatte Berührungsängste, mich mit so einem Thema auseinanderzusetzen. Für viele scheint Verzeihen in diesem, von Sandra und Reinhard Schlitter erlebten Trauma, nicht der richtige Weg. Nun habe ich es gelesen, und der unerschütterliche Glaube an Gott hat ihnen die Stärke gegeben zu verzeihen.“ Sandra und Reinhard Schlitter lasen an diesem Samstagabend aus ihrem Buch vor, ergänzten und berichteten, wie sie es schafften, gemeinsam als Eltern durch diese Situation hindurchzugehen und Frieden zu finden. „Es war wichtig, dass unsere Familie zusammenblieb und dass wir als Eltern bestehen konnten. In dieser Zeit wendeten wir uns als Paar einander zu. Wir haben uns keine Schuld zugeschoben, wir haben uns gegenseitig keine Vorwürfe gemacht. Es hätte nichts geändert. Dadurch ist unsere Beziehung fester zusammengewachsen. Wir haben den Weg der gegenseitigen Vergebung gewählt, Seite an Seite, haben uns gestützt und unterstützt. Wir haben viel gebetet, und viele Menschen haben für uns gebetet. Die Nähe zu Gott hat uns schon von Kindesbeinen an begleitet, berichtete Sandra Schlitter. Sie haben sich nicht auf eine gedankliche Abwärtsspirale eingelassen. Nicht versucht, sinnlosen Gedanken Raum zu geben.“ Unsere drei weiteren Kinder waren durch die Ereignisse erschüttert, ratlos und verzweifelt. In dieser schweren Zeit haben sie sich an uns orientiert. Hass gehört nicht in das Leben unserer Kinder. Durch die Vergebung wollen wir den Teufelskreis von Hass und Gewalt, in dem der Mörder unter seiner kleinbürgerlichen Maske wohl schon viele Jahre gefangen gewesen sein muss, ganz bewusst durchbrechen. Jemand, der hasst, wird nie mehr lachen. Jemand, den es nach Rache dürstet, wird nie ein gutes Wort mehr für den anderen haben. Jemand, der in der Wut auf die Vergangenheit lebt, wird keine starken Kinder großziehen können. Auch deshalb ist für uns der Weg der Vergebung der einzig richtige Weg. Und wir konnten Mirco gehen lassen. Wir wussten, er ist bei Gott, und eines Tages werden wir ihn wiedersehen“, so Reinhard Schlitter. Am Ende dieses bewegenden Vortrages konnte ein Hauch der spirituellen Kraft verspürt werden.