Mit den Händen fliegen Vortrag über Fledermäuse fasziniert in Melle

Von Conny Rutsch

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Ein krankes Braunes Langohr, das in Hannover behandelt werden wird, durfte gestreichelt werden. Foto: Conny RutschEin krankes Braunes Langohr, das in Hannover behandelt werden wird, durfte gestreichelt werden. Foto: Conny Rutsch

Melle. Ihre Flügel breiten sie mit ihrem kleinen Finger aus. Und das Große Mausohr, das auch als Kirchenfledermaus bezeichnet wird, hat eine Spannweite von über 40 Zentimetern. Der Vortrag vom Regionalbetreuer der Fledermäuse des Landkreises Osnabrück, Gerhard Mäscher, faszinierte am Donnerstagabend in den Räumen der Stiftung für Ornithologie und Umweltschutz (SON) in Melle eine kleine hochinteressierte Zuschauerschar.

„Der SON liegt es am Herzen, dafür zu ermuntern, die Schutzanstrengungen für diese Tiere zu erhöhen“, begrüßte der Vorsitzende der SON , Volker Tiemeyer, die Gäste. Und dann ging’s los. Allein die Namen dieser dunkelhäutigen Nachttiere sind faszinierend: Braunes Langohr, Großes Mausohr, Abendsegler, Fransen-, Bechstein- oder Wasserfledermaus. 16 unterschiedliche Arten gibt es im Landkreis Osnabrück. Die kleinste von ihnen, die Zwergfledermaus, ist nicht größer als eine Hummel und wiegt halb so viel wie ein Zaunkönig. Sie ist ab dem frühen Abend häufig jagend in Gärten zu sehen. Die amselgroße Breitflügelfledermaus verlässt zur gleichen Zeit ihr Taglager, ist aber äußerst schützenswert und von großem Interesse für die Experten. Meldungen über ihr Vorkommen sind herzlich willkommen (Telefon 05405/609862).

Dass Fledermäuse in Kirchen oder stillgelegten Stollen und Schächten wohnen, ist hinlänglich bekannt. Aber auch an Fassaden, in Holzstapeln oder auf Dachböden finden sie ihre Hängelager. Mitunter geraten auch gerade die Zwerge unter ihnen in Wohnungen durch gekippte Fenster.

Von Fürstenau bis Bad Laer sind dem Regionalbetreuer etwa 62 Untertagequartiere von Fledermäusen bekannt. Manche werden gefangen und beringt, um mehr Informationen über sie zu erhalten. Eine Fledermaus im abendlichen Garten zu beobachten heißt noch nicht, dass sie dort auch wohnt. Sie fliegen weit in ihre Jagdgebiete. Und die sind sehr unterschiedlich: Eine Wasserfledermaus keschert pro Nacht circa 4500 Zuckmücken über Fließgewässern, fängt sie mit den Flügeln, wirft sie in ihren Schwanz und frisst sie wie von einem Teller. Das Mausohr bevorzugt Buchenwälder ohne Untergehölz, fliegt dort tief über dem laubbedeckten Boden und frisst Lederlaufkäfer.

Jeden Tag hält die Fledermaus einen kleinen Winterschlaf und senkt ihren Stoffwechsel und die Körpertemperatur ab. Bevor sie losfliegt, erwärmt sie sich auf 39 Grad, um flink mit ihrem für den Menschen nicht hörbaren Ortungssystem auf die Jagd nach Insekten zu gehen.

„Es ist nicht nötig, Kästen für die Fledermäuse in die Gärten zu hängen“, betonte Gerhard Mäscher. Statt dessen sei es wichtig, tote Bäume stehen zu lassen oder Streuobstwiesen anzulegen, um die Insekten anzuziehen. „Bei gedämmten Häusern sollte wenigsten ein Meter unterm Spitzboden als Wohnraum für die Fledermaus frei bleiben“, sagte er. Die nächtlichen Jäger richten keinen Schaden an, sondern sind faszinierende Tiere, die seit der Zeit der Dinos die Natur bereichern und mit den Menschen zusammenleben sollten.

Gerhard Mäscher hatte ein verletztes Braunes Langohr mitgebracht, das gestreichelt werden durfte. Ein unvergessliches Erlebnis, weil es sich tausendmal weicher als Daunen anfühlt. In Hannover wird es ärztlich behandelt werden.


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