Pianist Gaswan Zerikly zu Gast in Alter Posthalterei Chopin zum 25. Jubiläum des Kulturherbstes

Von Conny Rutsch

Ein spannendes Konzert zum Auftakt des Meller Kulturherbstes gab der syrische Pianist Gaswan Zerikly in der Alten Posthalterei. Foto: Conny RutschEin spannendes Konzert zum Auftakt des Meller Kulturherbstes gab der syrische Pianist Gaswan Zerikly in der Alten Posthalterei. Foto: Conny Rutsch

Melle. Als alle Zuhörer schon gegangen waren, setzte sich Gaswan Zerikly am Sonntagmittag für ein Pressefoto noch einmal an den Flügel in der Alten Posthalterei und spielte einen selbst komponierten Walzer.

Das Amt für Stadtmarketing, Kultur und Tourismus mit Unterstützung des Kulturrings hatte den Pianisten, der viele Jahre in Osnabrück lebte und arbeitete, zum Auftaktkonzert des 25. Jubiläums des Meller Kulturherbstes eingeladen.

Werke von Frederic Chopin hatte der Künstler für sein Konzert auf dem Programm. Und mit zwölf ausgewählten Etüden des im 19. Jahrhundert einem der bekanntesten Virtuosen und Komponisten begann der syrische Pianist sein Programm.

Atemberaubende Läufe

Atemberaubende Läufe in beiden Händen und jeder Tonart, Terzenverbindungen, die kaum ein Klavierspieler fehlerfrei zu spielen imstande ist, und wunderschöne Harmoniefolgen, die das romantische Zeitalter ausmachen, zeichnen die Musik Frederic Chopins aus. Mit Etüden verbinden die meisten Klavierschüler monotone fingerstärkende Übungen, die zum Üben keinerlei Anreiz bieten. Chopin allerdings findet einen Spagat zwischen Fingerübungen und melodiös klingenden Konzertstücken.

Gaswan Zerikly brauchte keine großen Gesten, kein publikumswirksames Gewese, um sein Publikum in den Bann zu ziehen. Hoch konzentriert, den Unbillen vom hart zurückklingenden Steinboden in der Posthalterei trotzend, malte er romantische Klänge zwischen die alten Holzbalken, mit sicherem Pedaleinsatz und außerordentlichem Gespür für die Musik.

Die Revolutionsetüde, einem mächtigen, die linke Pianistenhand stärkenden Werk, markierte das Ende des ersten Programmteils. Unter so manchen Pianistenhänden scheint ein Konzertflügel unter diesem Werk gewissermaßen zu bersten.

„Chopin soll dramatisch klingen, aber niemals gewalttätig“, erklärte der Tastenvirtuose nach dem Konzert. Und doch trieb gerade diese Revolutionsetüde mit dem Wissen um die politische Lage in Syrien einigen Konzertbesuchern Tränen in die Augen.

Die Polonaise-Fantasien in As-Dur, die schwingende Barcaroll op. 60 und die f-Moll-Ballade hatte der Künstler nach der Pause auf dem Programm.

Sehr besonders markierte er seine Zugabe mit einem Werk eines Zeitgenossen Scarlattis. Die klare barocke Kompositionsstruktur räumte mit jedweder Gefühlsduselei nach diesem bemerkenswerten Konzert auf.

Der Pianist übrigens reiste sofort weiter nach Weimar, um dort ein Benefizkonzert für syrische Kinder zu geben.