Hoffnungen auf Rückkehr Störche aus Bruchmühlen unterwegs in Richtung Afrika

Von Norbert Wiegand

Kurz nach dieser letzten Fütterung  wurde der Jungstorch flügge. Er verließ das Nest, als ein Hubschrauber in der Nähe landete. Foto: Reiterhof TönsingKurz nach dieser letzten Fütterung wurde der Jungstorch flügge. Er verließ das Nest, als ein Hubschrauber in der Nähe landete. Foto: Reiterhof Tönsing

Bruchmühlen. Voraussichtlich haben sich der in Bruchmühlen geschlüpfte Jungstorch und seine Eltern auf den Weg Richtung Afrika gemacht. Das vermutet der Storchenexperte Stefan Wulk.

Der Bünder Ornithologe hat überall in den Kreisen Minden-Lübbecke und Herford festgestellt, dass der Rückzug zu den Winterquartieren dieses Jahr erst Anfang September und damit zwei Wochen später als üblich eingesetzt hat. „Es kann gut sein, dass auch die Bruchmühlener Störche zunächst ein Rast- und Sammelgebiet am Niederrhein angesteuert haben, bevor sie sich einer größeren Gruppe auf dem Zug nach Süden angeschlossen haben“, so Wulk. Die allermeisten Störche in den Brutgebieten Ostwestfalens und des Weser-Ems-Gebietes seien „Weststörche“, die die Rückflugroute über Spanien und Gibraltar wählen.

„Allerdings macht nur noch eine Minderheit der Störche den ganzen Weg bis in die Winterquartiere südlich der Sahara“, geht der Storchenfachmann auf neue Erkenntnisse der vergangenen Jahre ein. „Inzwischen überwintern die meisten Störche in Spanien.“ Das sei eine Strecke, die spät geschlüpfte Jungstörche gut bewältigen könnten, da sie bereits den Wind und die Thermik zum kraftsparenden Segeln nutzen könnten.

„Unser Jungstorch in Bruchmühlen ist erst Anfang August flügge geworden, als ein Hubschrauber wegen eines Notfalls auf unserem Reiterhof landen musste“, berichtet Annette Tönsing. Während seiner immer selbstständiger werdenden Futtersuche wurde er noch bis Ende August von seinen Elterntieren begleitet. In der Anfangszeit verbrachte er die Nächte nach seinen Ausflügen allein auf dem Nest, während die Alttiere irgendwo in der Nähe übernachteten. Erst an den letzten Augusttagen wurde er mehrfach ohne Begleitung gesichtet. Seit Anfang September ist die ganze Storchenfamilie, die zuletzt auf alle Beobachter einen gesunden Eindruck machte, nicht mehr gesehen worden.

Annette Tönsing, die Pferdefreunde auf dem Reiterhof und die Nachbarn hoffen, dass die Störche wiederkommen. Damit meinen sie sowohl das Brutpaar als auch die Kolonie von 25 vagabundierenden Jungstörchen, die sich fast acht Wochen lang auf dem und um den Reiterhof angesiedelt hatten. „Im nächsten Frühjahr werden wir in einer Gemeinschaftsaktion das Nest säubern“, kündigt Annette Tönsing an.

„Die Hoffnung auf Wiederkehr ist nicht unrealistisch“, teilt Stefan Wulk die Zuversicht der Storchenfreunde. „Eine verlässliche Nesttreue und Partnertreue entwickelt sich zwar erst nach mehreren erfolgreichen Bruten am gleichen Standort, aber die zunehmenden Bestände insgesamt machen weitere Ansiedlungen von Storchenpaaren in den bisherigen Brutgebieten immer wahrscheinlicher. Und wenn erst einmal ein Nest da ist, dann hat das eine magnetische Anziehung auf die noch nicht geschlechtsreifen umherziehenden Jungstörche. Außerdem ist festzustellen, dass immer mehr Jungstörche aus den neuen Überwinterungsgebieten in Spanien bereits im Alter von einem Jahr zurückkehren und nicht erst nach drei Jahren.“