Drei Schulen starten Projekt Melle: Talente der Schüler ins Rampenlicht stellen

Von Kirsten Muck

Müssen in der naturwissenschaftlichen Werkstatt eine stabile Brücke bauen: (v. l.) Julian Dönhölter von der OBS Buer, Lukas Debbrecht von der OBS Neuenkirchen und Johannes Martin von der IGS Melle. Foto: Kirsten MuckMüssen in der naturwissenschaftlichen Werkstatt eine stabile Brücke bauen: (v. l.) Julian Dönhölter von der OBS Buer, Lukas Debbrecht von der OBS Neuenkirchen und Johannes Martin von der IGS Melle. Foto: Kirsten Muck

Melle/Neuenkirchen/ Buer. Am Donnerstag fiel der Startschuss für das Projekt „Begabung fördern“ der Oberschulen Neuenkirchen, Buer und der IGS Melle. Nach kurzen Vorstellungen der einzelnen Projekte gingen die Schüler direkt an die Arbeit.

Für die Jungs und Mädchen der Werkstatt „Naturwissenschaften und Technik“ lagen schon stapelweise Papier, Klebstoff und Schere bereit. Die Jugendlichen sollten eine stabile Brücke aus Papier bauen. Julian Dönhölter von der OBS Buer, Lukas Debbrecht von der OBS Neuenkirchen und Johannes Martin von der IGS Melle tüftelten gemeinsam am Papiergerüst. Fleißig rollten sie ein Papier nach dem anderen auf. Zum Schluss sollten die Rollen auf ein Papier geklebt werden, das die Basis der Brücke bildet. Ob das Ganze hält? Die 13-Jährigen waren ganz optimistisch.

Neuland betreten

Die Vorfreude auf das Projektjahr ist nicht nur den Schülern deutlich anzumerken. Auch die Lehrer haben dem Startschuss entgegengefiebert. Denn mit dieser schulübergreifenden Kooperation und dem Projektjahr betreten sie Neuland.

„Für Melle ist das wegweisend“, stellt Marlis Brüggemann, Leiterin der IGS Melle, fest. „Schulen sehen sich oft sehr individuell und in Konkurrenz zu anderen Schulen“, sagt sie. „Wir wollen von der Eitelkeit weg: nicht ich und meine Schule, sondern wir und unsere Kinder“, erklärt sie weiter. Ihre Kolleginnen Sandra Apeler, Leiterin der Wilhelm-Fredemann-OBS Neuenkirchen, und Angelika Grobe, Leiterin der Lindenschule Buer, nicken zustimmend. „Jede Schule für sich hätte das nicht schaffen können. So rufen wir die ganze Bandbreite in der Lehrerschaft ab“, sagt Angelika Grobe.

Vier Lehrer aus allen drei Schulen übernehmen die Projektleitungen im kommenden Schuljahr. Die Ergebnisse der Künstler-Werkstatt, der Werkstatt Gesellschaftswissenschaften und der Werkstatt Naturwissenschaften und Technik werden am Ende des Schuljahres in einer Ausstellung präsentiert. Die Musical-Werkstatt hingegen führt ihr Musical in der Stadthalle auf.

Talente herauskitzeln

Auch wenn das Wort „Begabung“ im Titel des Projektes vorkommt, geht es nicht um Hochbegabung. Die Lehrerschaft der drei Schulen will die Talente ihrer Schützlinge herauskitzeln. „Dass wir im Alltag den Begabungen unserer Schüler nicht richtig nachkommen können, ärgert uns“, sagt Sandra Apeler. „Und es tut einem manchmal auch leid, dass wir uns viel um die Schwächen kümmern müssen“, ergänzt sie.

Um Schwächen geht es im Projekt „Begabung fördern“ gar nicht. Jedes Kind musste in der Bewerbung auf einen Werkstattplatz herausstellen, warum es für sein Wunschprojekt besonders geeignet ist und welche Stärken und Talente es mitbringt. Am Ende schafften es jeweils 20 Schüler einer Schule in die Werkstätten. In jeder Werkstatt stehen fünf Plätze pro Schule zur Verfügung. „Es war schwierig, aus all diesen guten Bewerbungen die Kinder auszusuchen“, berichtet Sandra Apeler.

Diejenigen, die den Sprung ins Projekt geschafft haben, treffen sich einmal in der Woche nachmittags in ihrer Werkstatt. In der Kunstwerkstatt wird es sogar Blockseminare an Wochenenden geben. Doch die Belohnung für das Engagement ist die Anerkennung der Eltern, Lehrer und Schulfreunde. Da kommt das gestärkte Selbstbewusstsein von ganz allein.