Niedersächsische Musiktage Temperament und Empfindsamkeit

Von Petra Ropers

Barock-Virtuose Giuliano Carmignola und die Sonatori de la Gioiosa Marca in der St.-Matthäus-Kirche. Foto: Petra RopersBarock-Virtuose Giuliano Carmignola und die Sonatori de la Gioiosa Marca in der St.-Matthäus-Kirche. Foto: Petra Ropers

Melle. Mediterrane Leichtigkeit und barocke Glücksmomente brachten Starviolinist Giuliano Carmignola und die Sonatori de la Gioiosa Marca bei den Niedersächsischen Musiktagen in die St.-Matthäus-Kirche in Melle.

Die 28. Auflage der Veranstaltung spürt diesmal dem Glück in seinen zahlreichen Facetten nach und verleiht dem Thema vielfältigen Klang.

Zum wiederholten Male empfahl sich dabei am Sonntag Melle als einer der Austragungsorte des Festivals , das von der Niedersächsischen Sparkassenstiftung getragen wird. Vor Ort unterstützten die Kreissparkasse Melle und der Kulturring die musikalische Reise in jenes Land, das sich schon für Johann Wolfgang von Goethe mit der Suche nach dem Glück verband.

Das renommierte Ensemble Sonatori de la Gioiosa Marca, das mit barocker Instrumentierung authentische Klangbilder in die St.-Matthäus-Kirche brachte, hat sich ganz der historischen Aufführungspraxis verschrieben. In Giuliano Carmignola trafen die Sonatori dazu auf einen der führenden Barockgeiger Europas. In temperamentvoller Virtuosität präsentierten sie die schnellen Ecksätze des Violinkonzertes C-Dur von Jean-Marie Leclair dem Älteren. Mit gefühlvoller Modulation kostete Carmignola die Melancholie des langsamen Mittelsatzes aus. Feurig, pointiert und zuweilen mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen spielte sich der italienische Virtuose in die Herzen der Musikliebhaber.

Wie entfesselt stürmte er dabei durch das Presto von Guiseppe Tartinis Violinkonzert A-Dur, um gleich darauf in empfindsamem Pianissimo das Largo andante in jeder Note wie einen kostbaren Schatz zu zelebrieren. In reduzierter Besetzung entführten die Musiker mit Giovanni Realis Triosonate „La Follia“ nach Venedig, wo Antonio Vivaldi sein Violinkonzert „Il Favorito“ in e-Moll komponierte, das Solist und Ensemble zwischen leidenschaftlicher Dynamik und zarter, bisweilen geradezu gehauchter Ausdruckskraft intonierten. Den virtuosen Höhepunkt des Konzertes bot Giuliano Carmignola unterdessen mit Pietro Antonio Locatellis 1773 in Amsterdam komponiertem Violinkonzert D-Dur. Mit furioser Energie ließ er in ausgedehnten Soli den Bogen über die Saiten tanzen und mit flirrender Bewegung in die höchsten Tonlagen klettern.

Dramatische Einwürfe wechselten mit gefühlvollen Harmonien und kaskadenartig herabfallenden Läufen in einem Meisterstück der Saitenkunst.

Der stürmische Beifall der Besucher honorierte ein Konzert von außergewöhnlichem Niveau. Und er forderte Giuliano Carmignola und der Sonatori de la Gioiosa Marca eine Zugabe nach der anderen ab. Am Ende blieb ihnen nur der geordnete Rückzug – mit einem charmant-verschmitzten Lächeln auf den Lippen.