Alte Gemeindestraßen leiden Melle: „Trecker-Maut“ gegen kaputte Feldwege?

Von Norbert Wiegand

Fahrbahn zu klein:  Ein Traktor begegnet einem LKW, beladen mit geschreddertem Mais. Foto: ImagoFahrbahn zu klein: Ein Traktor begegnet einem LKW, beladen mit geschreddertem Mais. Foto: Imago

Melle. Landwirtschaftliche Fahrzeuge sind in den vergangenen Jahren immer größer, breiter und schwerer geworden. Aber die alten Fahrbahnen vieler Feldwege und Gemeindestraßen sind nicht für die heute bis zu 40 Tonnen schweren Anhänger ausgelegt. Manche Wirtschaftswege sind so schmal, dass die Reifen der Anhänger beide Straßenränder überlappen.

Die Folgen sind kaputte Straßen und erhöhte Sanierungsbedarfe, die von den Kommunen aus allgemeinen Steuereinnahmen finanziert werden müssen. Diese Situation hat dazu geführt, dass in manchen anderen Gemeinden, wie Wardenburg im Landkreis Oldenburg , über die testweise Einführung einer Trecker-Maut diskutiert und bald entschieden wird. Dort soll eine Jahresgenehmigung zur Benutzung der kommunalen Wirtschaftswege bis zu 767 Euro pro Fahrzeug (über 3,5 Tonnen) kosten. Mit den Einnahmen soll der Sanierungsstau bei den Feldwegen abgebaut werden. Bislang ist die „Trecker-Maut“ im Grönegau kein Thema. Aber auch in Melle wird in einigen Fällen, teils auf freiwilliger Basis, das Verursacher-Prinzip praktiziert.

In Melle ist das Tiefbauamt für 620 Kilometer Gemeindestraßen zuständig, berichtet Tiefbauamtsleiter Thomas Große-Johannböcke. Dazu kommen viele Kilometer Waldwege und reine Wirtschaftswege. Das Deckenbauprogramm umfasst dieses Jahr 300000 Euro, 50000 Euro mehr als im Vorjahr. Für laufende Reparaturen und Straßenunterhaltung sind 575000 Euro veranschlagt.

Dabei sind Leistungen des städtischen Baubetriebsdienstes noch nicht eingerechnet, das gilt ebenso für die bei einigen Straßen requirierten Fördergelder.

Wenn jetzt Straßen repariert oder erneuert werden, wird je nach der zu erwartenden Belastung die neue Entwicklung mit schwereren Agrar-Fahrzeugen, Lastkraftwagen und Bussen berücksichtigt: Auf die vorhandenen kaputten dünnen Asphaltdecken und Bitumen-Splitt-Spritzdecken kommen meist neue 10 bis 15 Zentimeter dicke Asphaltschichten, wie auf dem Lütkemühlenweg, der Wöhrstraße oder Kirchbreede.

Bankette aufgeschultert

Dabei werden die Bankette entsprechend aufgeschultert. Örtlich werden auch Ausweichbuchten für den Begegnungsverkehr erstellt, so am Klippenbusch in Wellingholzhausen. Bei der Reihenfolge der Sanierungen werden meist die Prioritäten der Ortsräte berücksichtigt.