Pianistin Claudia Kohl begeistert Kontrastreiche Klangbilder im Strecker-Museum in Melle

Von Petra Ropers

Begrüßt wurde die Pianistin Claudia Kohl von Gastgeber Bernhard Strecker.  Foto: RopersBegrüßt wurde die Pianistin Claudia Kohl von Gastgeber Bernhard Strecker. Foto: Ropers

Neuenkirchen. Virtuose Pianoklänge entfalteten sich inmitten empfindsam komponierter Bilderwelten. Musik und Kunst trafen sich im niveauvollen Dialog: Einen klangvollen Akzent setzte zum 100. Geburtsjahr des Malers Sigmund Strecker am Sonntag das Spätsommerkonzert im „Haus der Bilder“.

Die Verbindung zwischen der Kunst des in Neuenkirchen und Halle beheimateten Malers und der Musik liegt nahe. Schließlich spielten in der Familie des Künstlers neben der Malerei auch der Tanz und die Musik stets eine bedeutende Rolle. Am hauseigenen Bechstein-Flügel begeisterte die international renommierte Pianistin Claudia Kohl mit einem feinsinnig abgestimmten Streifzug durch die Musikliteratur.

Bereits im vergangenen Jahr verwandelte sie auf Einladung Bernhard Streckers das „Haus der Bilder“ in ein Konzerthaus. Für ihr zweites Gastspiel in Neuenkirchen stellte sie nun ein Programm zusammen, das der Kunst der Farben einen musikalischen Ausdruck gab. Mit Johann Sebastian Bachs Partita Nr. 1 in B-Dur etwa, deren heitere, bisweilen sogar lebhaft-quirlige Tänze sich formal in ein strenges Gewand kleideten. Damit spiegelten sie eben jene Dualität wider, die sich auch in Sigmund Streckers Stillleben findet.

Den zentralen Ruhepol im siebensätzigen Werk bildete die verhalten intonierte Sarabande, deren aus Schlichtheit geborene Intensität an den Pinselstrich des Malers erinnerte. Dynamisch und verspielt in den Ecksätzen mit ihren flink dahineilenden Läufen und sensibel ausformuliert im lieblichen Andante kam Wolfgang Amadeus Mozarts Sonate Nr. 13 B-Dur daher.

Einen ausdrucksstarken Kontrast zur graziösen Leichtigkeit Mozarts schuf Claudia Kohl mit Béla Bartóks 1916 komponierter Klaviersuite op. 14. Rau, leidenschaftlich und in fesselnd umgesetzter Dramatik ergossen sich die spannungsreichen Klangbilder der ersten drei Sätze in den Raum. Eine geheimnisvolle, beinahe schon düstere Melancholie wehte um den abschließenden vierten Satz, den die Pianistin eindringlich intonierte.

Mit seiner expressiven Tonsprache bildete Bartok gleichsam den Gegenpol zur zurückhaltenden Schönheit der Bilder Streckers. Und doch verbindet beide die Suche nach dem eigenen Ausdruck, die Sigmund Strecker in seinen Landschaften zur Reduktion auf das Wesentliche führte. Béla Bartók inspirierte unterdessen auch Frank Zappa, dessen Vorspiel zu „Little House I Used To Live In“ Claudia Kohl als kleines Juwel der Moderne in ihr Konzertprogramm aufnahm.

Eine Kostbarkeit in Kompositionskunst und pianistischer Umsetzung erwartete die Besucher zum – offiziellen – Abschluss des Spätsommerkonzertes mit Frederic Chopins Ballade Nr. 4 F-Dur, deren lyrische Nachdenklichkeit erst im letzten Satz in effektvolle Dramatik übergeht. Zwischen zarter Empfindsamkeit und dominantem sich Aufbäumen verlieh Claudia Kohl der musikalischen Erzählung bewegenden Ausdruck.

Ihre begeisterten Zuhörer ließen die Pianistin natürlich nicht ohne eine Zugabe ziehen. Und auch Sigmund Strecker selbst wäre von ihrer sensiblen Virtuosität begeistert gewesen.