Zuschauerzahlen eingebrochen Bescheidenes Jahr für die Waldbühne Melle

Von Michael Hengehold


Melle. Das Waldbühnenjahr war ein bescheidenes. Sowohl das Kinderstück „Cinderella – Prinz sucht Frau!“ als auch „Die drei Musketiere blieben bei den Zuschauerzahlen deutlich hinter den Erwartungen. Nur – woran hat‘s gelegen? Das Wetter? Das Stück?

Im Gespräch mit dem Vorsitzenden Herbert Zinnecker und Vorstandsmitglied Karin Michels, zwei der rührigsten Waldbühnenfreunde, ist genau das die Frage. „Das ist das Problem: herauszufinden, woran, es gelegen hat“, sagt Zinnecker. Mögliche Gründe gibt es viele dafür, dass nur 2700 Gäste d‘Artagnan & Cofechten sehen wollten. Zum Vergleich: Die „Ladykillers“ der Saison 2013 genossen 4000 Zuschauer.

Da ist zunächst natürlich das Wetter, das sich in diesem Sommer lediglich knapp vier Wochen sommerlich präsentierte. Hinzu kommt die Fußball-WM, überlegt Karin Michels. Dann sind da noch die sehr späten Sommerferien, weshalb zum Beispiel die Westfalen, die schon drei Wochen schulfrei hatten, als es in Niedersachsen erst los ging, in diesem Jahr nicht zu den Vormittagsvorstellungen an den Tagen vor der Zeugnisvergabe gekommen sind. Diese Aufführungen sind normalerweise eine Bank, was die Zuschauerzahlen betrifft.

Mit den Musketieren hatten die Waldbühnisten zudem gehofft, junges Publikum zu ziehen. Vergeblich. Warum kam die Jugend nicht? Ist das ein Trend oder liegt es daran, dass die Musketiere alle paar Jahre durch Hollywood neu verwurstet werden und mithin einfach abgenudelt sind? In den Kirchengemeinden und Schulen bilden sich immer mehr Theater-AGs, weiß Karin Michels aus eigener Erfahrung, denn sie ist als Leiterin solcher AGs gefragt. Auch das könnte zu einer Übersättigung führen, überlegt sie.

Bauer statt Prinz?

Auch „Cinderella“ zog nicht so viele jungen Prinzen und Prinzessinnen auf die Bänke, wie erhofft. Während 2013 fast 8000 Mowgli-Fans „Das Dschungelbuch“ gesehen haben, interessierte sich nur die Hälfte für die Heiratsvermittlung Cinderellas. Trotz des Untertitels „Prinz sucht Frau!“ der eine gewisse Nähe zum bei Jugendlichen angesagten Trash-TV suggeriert. Vielleicht hätte der Prinz ein Bauer sein müssen, um erfolgreich zu sein.

Dass die Waldbühne trotzdem existieren kann, ist dem Förderverein mit seinen aktuell 360 Mitgliedern zu verdanken, der die Finanzlücken in der Vergangenheit immer geschlossen hat und dies sicherlich auch heuer tun wird.

Bei den Verantwortlichen ist nun erst einmal „sacken lassen“ angesagt. Am Samstag wurde das Areal mit vereinten Kräften winterfest gemacht, nun richtet sich das Augenmerk schon wieder auf das Winterstück „Tischlein deck dich“ und vor allem auf die kommende Saison. Michels: „Im Prinzip bleibt nie richtig Luft zum Durchatmen.“

Welches Stück 2015 inszeniert wird, richtet sich zum einen nach den Vorschlägen der Regisseure, die je drei einreichen, über die der Vorstand entscheidet, und nach den Möglichkeiten des Spielerstamms, derzeit etwa 60 Personen, darunter 40 Erwachsene und 20 Jugendliche sowie 30 junge Nachwuchsdarsteller. „Ein Beispiel: Wir haben okaye Sänger, aber ein Musical wie ,Der kleine Horrorladen‘ oder ,My Fair Lady‘ in der Vergangenheit könnten wir derzeit nicht spielen“, erklärt Karin Michels.