400 Teilnehmer beim Festival 30000 Besucher beim Drachenfest in Melle

Von Stefan Buchholz


Melle. Trotz gescheitertem Rekord und manchem lauen Lüftchen: Auch das zwölfte Drachenfest Melle blieb am Wochenende ein himmelstürmender Hingucker. Gut 400 Teilnehmer warteten mit teilweise urigen Modellen auf, die von Freitag bis Sonntag nach Veranstalterangaben rund 30000 Besucher bestaunten.

Laune im Keller, weil der Auftrieb fehlt? War bei den Drachenpiloten auf dem Flugplatz Melle-Grönegau am Wochenende nicht anzutreffen. Denn erstens kennen die Lenker stabloser Drachen das Phänomen Flaute, wenn der Wind nicht mehr als Stärke zwei hat.

Und zweitens gibt es zwei- und vierleinige Deltadrache, die sich auch schon bei ein wenig Brise in den Himmel schrauben.

Einen Trockenflug mit seinem Cassagnedrachen unternahm am Sonntagmittag Detlev Seeck. „Er ist über Nacht etwas feucht geworden und ich lasse ihn in der Luft trocknen“, erklärt der 48-Jährige aus Rheda-Wiedenbrück. Den Drachen in Form eines dreidimensionalen Rades hat er bis auf die Steckverbindungen selber hergestellt. „Das Design habe ich mir überlegt, dann das Ripstop Nylon bearbeitet und schließlich die Stoffe zusammengenäht.“

Sich eigenhändig an die Nähmaschine setzen, bleibt irgendwann keinem ernsthaften Drachenfan erspart. „Du willst schließlich deine eigenen, von dir entworfenen Drachen fliegen lassen“, berichtet Bernhard Dingwerth. Seine Drachenpilotkarrierre begann in den 1980er Jahren mit einem gekauften Lenkdrachen. Irgendwann schwenkte er auf stablose, nur über die Luft sich füllende Drachen um, die er schließlich auch selber entwarf. Dreimal gewann der Sozialarbeiter aus Kassel in dieser Kategorie den deutschen Meistertitel.

Seine Ideen in Sachen innovativer Drachenbau sind international geschätzt. Mehrmals im Jahr wird Dingwerth zu den großen Drachenfestivals in Asien und Amerika eingeladen. Für gratis Flug und Unterkunft lässt er dort seine Innovationen in die Luft steigen.

Auch Drachenerfinder Rüdiger Gröning präsentierte sich auf dem Meller Drachenfest. Der Münsteraner ließ am Sonntagmittag den von ihm schon 1985 kreierten Rotordrachen steigen. Zwei miteinander verbundene Ringe mit jeweils sechs Stoffdreiecken die sich mittels eines Kugellagers in der Luft drehten waren einer der Hingucker am Sonntag.

Für jüngere Besucher gab es neben dem Geschehen am Grönegauhimmel Gelegenheit zahlreiche Hüpfburgen auszuprobieren. Eine Raumausstatterfirma aus Bissendorf spendierte Papier, Stifte sowie Stäbe und Leine, damit Kinder ihre eigenen kleinen Drachen bauen konnten.

Joachim Kreienbrink vom Veranstalterklub der Drachenfreunde Osnabrück zeigte sich mit dem Drachenevent in Melle sehr zufrieden. „Wir sind happy, dass wir keine Wetterprobleme hatten.“ Gefreut habe ihn am Freitag, mit welchem Engagement die Besucher versucht hätten, den Rekord zu knacken.

Auch die Choreografie der Nachtflugshow am Samstagabend habe trotz plötzlich drehendem Wind noch gut präsentiert werden können. „Wir gehen davon aus, dass es auch in zwei Jahren wieder ein Drachenfest geben wird“, konstatierte Kreienbrink.