Bürgerinitiativen besichtigen Pilotstrecke Melle: Erdverkabelung ist Technik, die Hoffnung macht

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Wellingholzhausen. Keine Technik, die verängstigt oder frustriert, sondern eine, die Hoffnung macht: Mit dieser Erkenntnis kehrte Frank Vornholt, Sprecher der Bürgerinitiative „Keine 380-kV-Freileitung am Teuto“ von seinem Besuch der ersten deutschen Erdkabel-Pilotstrecke zurück.

Gemeinsam mit den Vorsitzenden der Bürgerinitiativen aus Voxtrup, Borgloh und Borgholzhausen sowie rund einem Dutzend Mitgliedern hatte der Initiativensprecher aus Wellingholzhausen die Baustelle der Erdkabel-Pilotstrecke in Borken-Raesfeld besichtigt. Rede und Antwort standen Oliver Cronau, zuständig für die überregionale Netzplanung bei Amprion, sowie zwei Techniker: „Sie waren bemüht, die fachlich versierten Fragen auch zufriedenstellend zu beantworten“, resümierte Frank Vornholt.

Die Baumaßnahmen für den 3,4 Kilometer langen Erdkabelabschnitt auf der Strecke von Dörpen zum Niederrhein haben im Juni diesen Jahres begonnen und sollen noch vor Jahresende zum Abschluss gebracht werden. Entgegen der geplanten Stromtrasse im Osnabrücker Land handelt es sich bei der Höchstspannungsleitung in Borken um eine Pilotstrecke des Energieleitungsausbaugesetzes. Dies ermöglicht den Einsatz von Erdkabeln, wenn die Trasse zu nah an die Wohnbebauung heran reicht. Mit großem Aufwand wird gegenwärtig auf der Trasse das vorhandene Erdreich abgetragen, um es anschließend ohne Nachteile für den landwirtschaftlichen Bodenertrag wieder einzubringen“ Das Verfahren ist wirklich sehr aufwendig, zum Teil werden fünf Bodenschichten abgetragen und zwischen gelagert, ehe sie zum Schluss wieder am alten Standort aufgefüllt werden“, berichtete der Initiativensprecher nach der Rückkehr. Die Techniker von Amprion hätten keinerlei Zweifel hinsichtlich der Verlässlichkeit der eingesetzten Technik geäußert. Erstaunt hat die Besucher der Bürgerinitiativen in diesem Zusammenhang, dass sich die Bebauung in vielen Bereichen der Erdkabelstrecke nicht von der im Osnabrücker Land unterscheidet: „Im Gegenteil; entlang der Pilostrecke ist sie teilweise deutlich problematischer“, urteilte Frank Vornholt. Von daher sehen sich die Bürgerinitiativen in ihrer Forderung nach einer Erdverkabelung auf der Strecke von Wehrendorf nach Gütersloh bestätigt.

Ein Eingriff in den Bodenhaushalt bei einer Kabelverlegung in der Erde natürlich unvermeidlich, räumen die Initiativen ein. Allerdings werden diese Spuren nach nur wenigen Jahren verschwunden sein: „Freileitungen haben dagegen einen Bestand von rund 100 Jahren“, stellte Frank Vornholt klar, verbunden mit dem Hinweis, dass eine Entschädigung der Landwirtschaft wie im Fall des Erdkabels in Raesfeld selbstverständlich sein sollte.

Und die Kosten? Dazu wollten sich die Mitarbeiter von Amprion im Hinblick auf die Pilostrecke und weitere mögliche Projekte nicht weiter äußern. Begründung: Pauschale Aussagen könnten nicht gemacht werden; je nach Einzelfall würden Berechnungen erhoben, die je nach Geländegegebenheit unterschiedlich ausfallen. Sie werden für jede Strecke spezifisch berechnet.

Berechnungen, die von einem sechsfachen Kostenvolumen ausgehen, weist Frank Vornholt zurück: Laut Aussage der deutschen Umwelthilfe soll der finanzielle Mehraufwand für eine Erdverkabelung lediglich das 1,5-Fache betragen.

„Im Ergebnis ein interessanter und anschaulicher Besuch mit vielen Erkenntnissen“, lautet am Ende das Fazit.


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