Nicht nur Demenzerkrankte Behinderte in einem Meller Altenheim

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Fühlt sich wohl im Hardachstift: Inge Puchtler (rechts) unterhält sich hier mit Mechthild Matthias. Foto: Christoph FrankenFühlt sich wohl im Hardachstift: Inge Puchtler (rechts) unterhält sich hier mit Mechthild Matthias. Foto: Christoph Franken

Melle. Behinderte in einem Altenheim? Ja, es gibt sie, wobei Fachleute die körperlichen und geistigen Behinderungen von Demenzerkrankungen abgrenzen.

Mechthild Matthias, Leiterin des DRK-Altenheims Hardachstift, kann sich noch gut an die Zeit um 1975 erinnern. „Bis dahin gab es für erwachsene Behinderte kaum eigene Einrichtungen.“ Sie selbst habe erlebt, wie aus diesem Grund seinerzeit eine erst 40 Jahre alte Frau ins Altenheim kam. „Heute leben solche Menschen glücklicherweise in speziellen Wohngruppen oder Einrichtungen“, sagte sie.

„Keine richtige Bleibe“

Dennoch sei noch längst nicht alles eitel Sonnenschein. „Für MS-Erkrankte oder Menschen, die an Parkinson leiden, gibt es bei uns in Niedersachsen keine richtige Bleibe“, kritisierte Mechthild Matthias. In Osnabrück sei in einem Altenheim immerhin eine Etage für MS-Kranke reserviert. „In NRW dagegen gibt es eigene Wohngemeinschaften mitten in der Stadt.“

Insgesamt leben 99 Bewohner im Hardachstift. Eine 60-Jährige ist nach einem Schlaganfall auf den Rollstuhl angewiesen. Eine weitere Bewohnerin leidet an einer fortschreitenden Muskelkrankheit. Sie kam mit 50 Jahren in das Hardachstift. Eine weitere Frau ist psychisch krank. Inge Puchtler (67) dagegen leidet an Parkinson. „Dazu kommen typische Altersbehinderungen, beispielsweise nach einem Schlaganfall“, berichtete die Heimleiterin.

Rund 50 Prozent der Bewohner leiden an Demenz. „Demenzerkrankte können einen ganz schön in Atem halten, sie sind weglaufgefährdet und zum Teil aggressiv.“ Mechthild Matthias und DRK-Geschäftsführerin Elke Stönner verwiesen aber darauf, dass dieses Problem zunehmend erkannt werde und sich im Stellenschlüssel mit mehr Betreuungspersonal niederschlage. „Da ist die Politik auf dem richtigen Weg“, sagte Elke Stönner. Für sie sind die Mitarbeiter im Hardachstift ohnehin seit Langem auch „Spezialisten für Menschen mit Altersbehinderung“.

„Gespenst Altenheim“

Inge Puchtler ist seit dem 18. März im Hardachstift und fühlt sich dort inzwischen wohl. „Ich lerne mein neues Zuhause langsam lieben“, erklärte die Bremerin. Sie hatte selbst einmal auf Altenpflegerin umgeschult, dann aber wurde Krebs diagnostiziert. „Das war eine schlimme Zeit.“ Dann erkrankte sie an Parkinson, ihr Mann starb, und sie musste ins Krankenhaus. Von da aus konnte sie nicht mehr nach Haus zurück, sondern kam übergangsweise in ein Altenheim nach Bremerhaven. „Das hat mir immerhin schon mal die Angst vor dem Gespenst Altenheim genommen“, erzählte sie.

Ihre Angehörigen wohnen in Enger und setzten Himmel und Hölle in Bewegung, um Inge Puchtler in die Nähe zu holen. Das gelang schließlich im Hardachstift. „Frau Matthias war am Telefon gleich so nett, dass ich sie unbedingt kennenlernen wollte, und nun bleibe ich hier“, sagte Inge Puchtler. Sie ist überzeugt, trotz ihrer Behinderung in dem Meller Altenheim sehr gut aufgehoben zu sein.

Elke Stönner und Mechthild Matthias haben daran ebenfalls keinen Zweifel. Für sie und ihre Mitarbeiter sind Menschen mit einer wie auch immer gearteten Behinderung längst kein Ausnahmefall mehr.


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