Christophoruskirche: Konzert Cantus firmus, pro musica und Solisten glänzen in Melle

Von Frank Muscheid

Die Essenz festlichen Barocks war mit Cantus firmus in Glane zu hören, tags zuvor fand das Barockkonzert in der St.-Christophorus-Kirche in Neuenkirchen statt. Foto: Frank MuscheidDie Essenz festlichen Barocks war mit Cantus firmus in Glane zu hören, tags zuvor fand das Barockkonzert in der St.-Christophorus-Kirche in Neuenkirchen statt. Foto: Frank Muscheid

Melle/Bad Iburg. Feurig und zugleich erhaben erfüllte die Musik am Samstag die St.-Christophorus-Kirche in Neuenkirchen und am Sonntag die St.-Jakobus-Kirche Bad Iburg-Glane.

Mit unvergleichlicher Leichtigkeit, Musizierfreude und zugleich geistlicher Tiefe haben sie „Festliches Barock“ eine Seele gegeben – der Kammerchor im Kirchenkreis Melle-Georgsmarienhütte Cantus firmus, das Osnabrücker Orchester pro musica und vier begnadete Solisten aus der Region. Der Lohn: minutenlange stehende Ovationen von etwa 330 Zuhörern. Das Konzert hätte noch mehr verdient.

Wie schon am Samstag in der St.-Christophorus-Kirche in Melle-Neuenkirchen vor etwa 170 Zuhörern eroberten Chor, Sopranistin Chihiro Meier-Tejima, Altistin Kathrin Brauer, Tenor Jae Seung Lee, Bass Christian Meyer-Perkhoff und das Orchester pro musica unter Leitung von Peter Harbaum und Gesamtleitung von Kantor Stefan Bruhn mit St. Jakobus einen neuen Raum. Der Anlass, zu dem der katholischer Pfarrer Heinrich Bernhard Kraienhorst und die evangelische Pastorin Angelika Schmidt begrüßten, war das 350-jährige Bestehen der Schlosskirche, die aber zu klein für das Publikum gewesen wäre. Besser hätte der Ausweich-Ort nicht gewählt sein können: Die orchestrale und stimmliche Wucht und Breite, mit der Georg Friedrich Händels „Utrechter Te Deum“ passagenweise über die Bänke fegt, lässt sofort fühlen, dass diese Musik für genau solche Gewölbe geschrieben wurde.

Grandiose Zugabe

Großartig gelingt der Wechsel zwischen mächtigen, raumgreifenden Lobpreisungen eines punktgenauen Chores zu den fokussierten Solistenparts, aufgesetzt auf ein umtriebiges, über weite Strecken von flirrenden Streichern beherrschtes Orchester. Angefangen beim vergnügt-überwältigenden Streicher-Einstieg, auf die sich zerteilenden Männer- und Frauenstimmen hin, weiter zu ikonischen Bläsern und den sich umeinander ab dem Solo „To Thee all angels cry aloud“ entfaltenden Solisten, wird hier himmlische Musik perfekt vertont.

Das ganze ausufernde, aber doch durch eine innere strenge Ordnung zusammengehaltene Johann-Sebastian-Bach-Universum kulminiert in dessen Ouvertüre der Suite Nr. 3 D-Dur, das pro musica mit Peter Harbaum meistern. Tänzerisch, verträumt und so verspielt wie ernsthaft gleiten Basso continuo, Violinen-Themen und hohe Bläser auf einem satten Paukengerüst, immer am Herzschlag der Komposition. Danach perfekte Übergänge in die rasant-feierlichen Läufe und schwelgerisch-versonnenen Übergänge – ein Livegenuss.

Noch stärker fällt der Kontrast zwischen mächtigen, chor- und bläsergetriebenen Freudenstürmen und zutiefst kontemplativen, auf Orgelbegleitung reduzierten Solistenkombinationen des „Te Deum“ von Carpentier aus. Eine besondere Leistung wird durch den Kurzauftritt von 2. Kammerchor-Sopranistin Ulricke Wickel mit drei der Hauptsolisten deutlich: Bis zu acht Solisten sind zeitweise im Stück vorgesehen, Bruhn konnte sie auf die stimmlich flexiblen Meier-Tejima, Brauer, Lee und Meyer-Perkhoff reduzieren: „Die Altistin singt mal tief, mal Sopran zwei, oder der Tenor sehr hoch.“

Mit dem sie bündelnden Schlusschor aus Händels „Dettinger Te Deum“ geben Chor und Musiker eine grandiose Zugabe.