Raus aus der Sackgasse Suchtberatung unter dem Dach der Meller Diakonie

Von Conny Rutsch

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Suchtberatung: Irina Rörig (l.) und Christiane Weitzel arbeiten im Fachbereich Suchtberatung der Diakonie. Foto: Conny  RutschSuchtberatung: Irina Rörig (l.) und Christiane Weitzel arbeiten im Fachbereich Suchtberatung der Diakonie. Foto: Conny Rutsch

cru Melle. „Kommst du mit in die Stadt zum Kaffeetrinken?“ Sigrid (Name erfunden) zögerte nur kurz: „Nein, ich kann nicht“, sagte sie knapp. Sie wusste, dass die Freundin ihr die ausgedachten Erklärungen sowieso nicht mehr glaubte.

Sigrid konnte nicht so einfach weggehen. Ihr Mann würde bald nach Hause kommen. Wie jeden Tag besuchte der technische Angestellte nach Dienstschluss noch die Eckkneipe. Sie wusste seit Jahren, dass ihr Mann nicht nur regelmäßig Alkohol trank , sondern im Laufe der Jahre suchtkrank geworden war und dringend Hilfe brauchte. Beinahe täglich dachte sie daran, einfach zu verschwinden. Aber liebte sie ihn nicht noch? Diese Frage gestattete sie sich nicht, dachte an die Anfänge ihrer 30-jährigen Ehe und tat, was er von ihr verlangte.

Weitab vom Supermarkt um die Ecke, damit sie von den Nachbarn nicht gesehen wurde, kaufte sie ihm Schnaps und Bier. Die leeren Flaschen entsorgte sie heimlich in Glasmüllcontainern außerhalb ihres Wohngebietes. Sie schämte sich.

Sie führte kein eigenes Leben mehr, sondern hatte sich vollkommen auf ihren Mann und seine Trinkerei eingestellt. Bis hin zum morgendlichen Entschuldigungsanruf beim Arbeitgeber, wenn er mal wieder nicht aufstehen konnte. Nach außen hin wollte sie unbedingt die Normalität wahren. „Tu endlich etwas“, hatte ihr Sohn schon so oft gesagt, aber sie wusste nicht ein noch aus.

So oder ähnlich verharren Angehörige von Suchtkranken in einem Dasein, das für sie nicht mehr lebenswert erscheint. Hoffnungslosigkeit, Schamgefühl und Leid erdulden sie.

Hohe Wertschätzung

Jetzt kann die Fachstelle für Sucht und Suchtprävention des Diakonischen Werkes Melle helfen. Seit Mai letzten Jahres wird sie von der Sozialarbeiterin Christiane Weitzel mit hohem Engagement geführt. „Wir möchten den Angehörigen von Suchtkranken ein zweigleisiges Angebot machen“, so die Fachstellenleiterin.

„Craft“ heißt das Zauberwort, ein Konzept, das Christiane Weitzel in Melle bekannt machte. „Wir wollen den Angehörigen Mut machen, aus ihrer Isolation herauszutreten und Suchtkranke vorsichtig dazu bringen, zu unserer Beratungsstelle zu kommen“, sagt sie. Suchtmittelabhängigkeit betrifft immer die ganze Familie.

Alle 14 Tage wird für Angehörige eine Vormittagsgruppe angeboten. Von 10 bis 11.30 Uhr können sie kostenlos ihre Sorgen besprechen. Die Mitarbeiter der Fachstelle stehen unter Schweigepflicht. Ein Beratungsgespräch im Vorfeld und in vertrauensvoller Atmosphäre kann anonym in Anspruch genommen werden. „Wir wollen nicht rückwirkend die Probleme durchkauen“, sagt Christiane Weitzel, „sondern hoffnungsvoll in die Zukunft schauen.“ Sie möchte den Betroffenen Mut machen, „sich zu überwinden und durch unsere Tür zu kommen. Wir werden jedem mit hoher Wertschätzung begegnen.“

Das gilt gleichermaßen für Suchtkranke und Angehörige. Die Fachstelle für Sucht und Suchtprävention der Meller Diakonie in der Riemsloher Straße 5 ist unter der Telefonnummer 05422/ 9400-900 oder per E-Mail unter info@suchtberatungsstelle.de zu erreichen.


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