Ausgeschwärmt, Teil 3 Eine Mellerin hilft Bäckereien in New York

Von Axel Rothkehl

Glücklich in New York: Laura Horstmann aus Melle. Foto: privatGlücklich in New York: Laura Horstmann aus Melle. Foto: privat

Melle/New York. Ausgeschwärmt: In einer Serie stellen wir sechs Menschen aus der Region Osnabrück-Emsland vor, die im Ausland Karriere gemacht haben. Heute Laura Horstmann aus Melle: Die Jungunternehmerin ist vor zwei Jahren nach New York gezogen und entwickelt dort Software, um die Qualität von Backwaren hoch zu halten.

Für Jungunternehmerin Laura Horstmann wirkt schon die Strecke ins Büro wie ein tägliches Motivationsseminar. Ihr Fußweg führt vorbei am wichtigsten Börsenplatz der Welt, der Wall Street. Dort schlängelt sich Horstmann durch die Touristenmassen, bis sie ein paar Blocks weiter am Ground Zero ankommt. „Jeden Tag werde ich mindestens zweimal von den Kameras der Urlauber abgeschossen“, lacht sie. Gegenüber hat die aus Melle im Landkreis Osnabrück stammende Horstmann im 21. Stock ihr Unternehmen „PreciBake“ eingerichtet. In dem Büroturm kommen überwiegend Start-Ups unter.

Vor zwei Jahren ist die Diplom-Betriebswirtin nach New York gezogen. Mit ihrem Partner hat Laura Horstmann so etwas wie künstliche Intelligenz für die Backindustrie entwickelt. Wie in Deutschland gehe der Trend zu mehr Frische im Laden. Schon in den kleinsten Filialen werden eigene Öfen betrieben. „Das schafft für Bäckereien mit Hunderten Filialen riesige Probleme, die Brotqualität konstant zu halten“, erläutert die 30-Jährige, „ein großer Filialist kann den gewünschten Standard aus seiner Zentrale in Chicago nicht in die Außenstelle nach Manhattan retten. Das Produkt schmeckt anders und die Kunden sind nicht zufrieden.“

Croissants sind fettig und in den USA beliebt. „Es hängt schon davon ab, wann der Blätterteig aus dem Ofen gefahren wird und über welche Zeit das Blech vorher neben dem Tresen steht. Sogar das Wetter oder der Luftdruck in den unterschiedlichen Höhen beeinflusst die Qualität.“ Laura Horstmann hat, wie sie sagt, mit ihrem Produkt den „virtuellen Bäcker erzeugt“. Durch die „PreciBake“-Software könne jeder Brotbetrieb aus seinem Stammhaus mit einem Tablet-PC alle Öfen in seinen 150 Filialen steuern. „Wir verkaufen künstliche Intelligenz und multiplizieren den Meisterbäcker.“ Das Programm erkenne, ob ein Mischbrot oder Mandelkuchen in der Röhre sei. „Teig ist ein lebendiges Produkt. Falls im Backprozess etwas unregelmäßig läuft, macht der virtuelle Bäcker die Anpassungen.“ Ein weiterer Vorteil: „Das Personal muss nicht den Ofen nicht mehr nachjustieren, sondern kann sich auf die Kunden konzentrieren.“ Gerade in Amerika sei das ein Vorteil. „Hier gibt es nicht wie in Deutschland ausgebildete Fachverkäuferinnen. Und in den USA geht durch die Jobhopper-Mentalität nach jedem Wechsel wieder Know-how verloren. Durch uns bleibt das Wissen im Ofen.“ Vor einem Jahr gründete sie „PreciBake“. Bäckereien, die ihre Software getestet haben, seien begeistert. Die ersten Auslieferungen standen noch im vergangenen Oktober an, direkt nach der Messe „International Baking Industry Exposition“ (IBIE) in Las Vegas.

Dass sie einmal im Ausland arbeiten wollte, stand für die Salem-Absolventin immer fest. Eigentlich war nach dem Studium China ihr Ziel. „Aber in New York kann ich mit Personen aus anderen Kulturen arbeiten.“ Das interkulturelle Teamwork beeindruckt Laura Horstmann. „Wir Deutschen haben eine detaillierte, überkorrekte Herangehensweise. Darüber lachen die Amerikaner.“ Die seien viel pragmatischer. Hauptsache eine Lösung funktioniert gerade eben noch so.

Laura Horstmann verzichtet selbst gerne auf das wabbelige Weizenbrot, dass die Amerikaner so dick macht. Und man sieht es der jungen Frau auch an. Dafür schippert sie ein paar Minuten mit der Fähre über den Hudson River nach New Jersey und kauft bei einem deutschen Bäcker „das herrlich saftige Roggenbrot“. Ihre These: „Brot hat für Menschen eine ungeheure Emotionalität.“ Wenn sie auf dem Weg zurück nach Melle auf dem Frankfurter Flughafen gelandet ist, beginnt ihr Ritual. Noch im Terminal kauft sie beim immer gleichen Stand ein Vollkornbrot mit Salami. „Dann steht fest: Ich bin wieder daheim. Brot ist auch etwas Patriotisches.“

Alle Teile der Serie „Ausgeschwärmt“ unter www.noz.de/ausgeschwaermt


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