70 Entlassungen zum Jahresende Neues EEG trifft Bio-Construct in Melle

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Düstere Aussichten: Henrik Borgmeyer (links) und Matthias Kief rechnen mit einer Entlassungswelle beim Biogas-Anlagenbauer Bio-Construct. Foto: Norbert WiegandDüstere Aussichten: Henrik Borgmeyer (links) und Matthias Kief rechnen mit einer Entlassungswelle beim Biogas-Anlagenbauer Bio-Construct. Foto: Norbert Wiegand

Riemsloh. „Schon die bloße Ankündigung von Kürzungen der Einspeisevergütung um 35 Prozent hat ausgereicht, um den Bau neuer Biogasanlagen völlig zum Erliegen zu bringen“, ärgert sich Bio-Construct-Sprecher Matthias Kief. Die Folgen der Pläne der schwarz-roten Regierung sind für den Riemsloher Biogas-Anlagenbauer gravierend: Bis zum Jahresende sollen 60 bis 70 Mitarbeiter entlassen werden.

Zwei Projektleiter, zwei Bauleiter und ein Elektrotechniker haben bereits ihre Kündigungen erhalten. Die auslaufenden Verträge von fünf weiteren Mitarbeitern werden nicht verlängert. „Wenn in ganz Deutschland bereits erteilte Aufträge storniert werden, können wir unsere 100 Mitarbeiter nicht mehr bezahlen“, blickt Matthias Kief in eine düstere Zukunft.

Der Hintergrund des sofortigen Stopps aller Planungen ist der Entwurf zum Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), den das Bundeswirtschaftsministerium am 18. Februar bekannt gab.

Borgmeyer ist geschockt

„Dieser Referentenentwurf ist noch deutlich schlechter ausgefallen als angedroht“, ist Henrik Borgmeyer geschockt. Eine Senkung der Vergütung von 17 bis 20 Cent auf 13 Cent wirkt im Biogas-Bereich wie eine Vollbremsung und bedeutet das Ende der Energiewende“, meint der Bio-Construct-Geschäftsführer. Er hält das Gesetz, das die große Regierungskoalition mit ihrer Mehrheit im Juli im Bundestag verabschieden will, für einen großen Fehler. „Biogas ist sehr gut geeignet, Schwankungen in der Windstromproduktion flexibel auszugleichen, das wird in den Gesetzentwürfen nicht berücksichtigt“, moniert er. Stattdessen werde wieder vermehrt auf Gas, Kohle und längere Laufzeiten für Atomkraftwerke gesetzt.

Die Versuche mit der Riemsloher Biogas-Pilotanlage hätten sich bewährt, sie könne ganz flexibel auf Schwankungen beim Strombedarf reagieren, erläutert der Bio-Construct-Chef. Dies sei inzwischen bei den meisten neu gebauten Anlagen Standard. „Wenn alle alten Biogasanlagen entsprechend umgerüstet werden, kann Deutschland auf sechs große Gaskraftwerke verzichten. Für die Umrüstung solcher alten Biogasanlagen haben wir das Knowhow in den Köpfen unserer technischen Mitarbeiter, die wir nach den gegenwärtigen Planungen jetzt aber wohl entlassen müssen“, bedauert Borgmeyer die neue Entwicklung.

Auch das Argument des ausufernden Maisanbaus geht nach Ansicht von Borgmeyer an der Wirklichkeit vorbei: „Denn neue Anlagen brauchen kaum noch nachwachsende Rohstoffe, sie können ausschließlich Gülle und Tiermist verwerten. Bisherige Krisen haben wir überstanden, weil wir von Anfang an auf Gülle und flexible Produktionsmengen gesetzt haben, aber das neue EEG legt keinen Wert mehr auf solche Zukunftstechnologien.“

„Auch das Auslandsgeschäft, das bisher Flauten auf dem Inlandsmarkt ausgleichen konnte, ist zum Erliegen gekommen, weil jetzt die EU-Klimavorgaben verwässert werden“, ergänzt Matthias Kief. „Es sieht so aus, dass unsere Firma stark verkleinert mit 30 Beschäftigten weiter bestehen wird“, schließt Henrik Borgmeyer eine „Pleite“ aus. „Wir brauchen noch Personal zur Wartung und Betreuung vieler älterer Anlagen und für die 17 Anlagen in Deutschland, an denen wir selbst beteiligt sind.“ Aber ganz hat Borgmeyer seine Hoffnung nicht aufgegeben, dass „einsichtige Bundestagsabgeordnete“ das Gesetz noch stoppen.


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