Korrespondenz mit Bruch und Spitta Meller Dietrich Kämper beschreibt Briefwechsel

Von Conny Rutsch

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Melle. Briefe sind heutzutage kaum noch das bevorzugte Medium der Wahl, sich mitzuteilen. Solche aus dem 19. Jahrhundert aber gewähren sehr besondere Einblicke in gesellschaftliche Gepflogenheiten und langjährige Freundschaften. Wenn sie dann noch von Persönlichkeiten wie Max Bruch und Philipp Spitta geschrieben sind, werden sie zu einem Spiegel der Zeit.

Max Bruch (1838 bis 1920) wirkte als einer der bedeutenden deutschen Komponisten und Dirigenten in Deutschland und über die Grenzen hinaus. Im thüringischen Sondershausen, wo er für einige Jahre als Fürstlicher Hofkapellmeister tätig war, begegnete er Philipp Spitta (1841 bis 1894) zum ersten Mal. Dieser arbeitete am Fürstlichen Gymnasium der Stadt als Lehrer für alte Sprachen. Bekannt wurde er allerdings als Musikwissenschaftler und Bachbiograf.

Dietrich Kämper, geboren 1936 in Melle, promovierte und habilitierte in Köln im Fach Musikwissenschaft, und wurde 1995 auf die Professur an der Universität Köln berufen.

„Das musikwissenschaftliche Institut der Universität zu Köln hat 1966 einen großen Teil des Nachlasses von Max Bruch übernommen, und zwar aus dem Besitz des - damals noch lebenden - jüngsten Sohnes Ewald Bruch“, mailte uns Dietrich Kämper. Nach seiner wissenschaftlichen Aufarbeitung dieser Quellen habe schon 1970 ein Band „Max Bruch Studien“ erscheinen können.

Im vergangenen Jahr, dem Jahr des 175. Geburtstages Max Bruchs, hat der Meller Kämper den bisher völlig unbekannten Briefwechsel - Bruch-Spitta - herausgegeben und mit einer äußerst informativen und interessanten Einführung versehen.

Per „Sie“ stehen Bruch und Spitta beinahe 30 Jahre in brieflicher Verbindung, sind sich auf diese Weise ausnehmend höflich und wohlwollend nahe.

Für die an der Musikgeschichte interessierten Leser ist es ausnehmend spannend zu lesen, wie einig sich beide in das eine der beiden musikromantischen Lager schlagen. Brahms und Mendelssohn sind diejenigen Komponisten, die ihrer beider Bewunderung finden.

Richard Wagner allerdings kannte in der Kritik der beiden kaum eine Gnade, wenn auch die dichterische Kunst noch würdigend erwähnt wird, so finden Bruch und Spitta doch über seine Musik kaum ein lobendes Wort.

Erstaunliche Werkbetrachtungen und Kompositionsvorschläge finden ebenso freundschaftlich schreiberischen Niederschlag wie sehr private Befindlichkeiten.

Nicht nur für Musikfreunde ist dieses Buch ein Blick in ein hochinteressantes Jahrhundert bis in die wilhelminische Zeit, bei dem Fußnoten dem Leser helfen, Persönlichkeiten der vergangenen Jahrhunderte gedanklich auf die Spur zu kommen.


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