Unbekannte Genüsse an Haustür „Biokisten“: Wundertüten für Meller

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Allerlei Bio-Gemüse der Saison packt Kai Sohns in die Kisten, die er immer dienstags ausliefert. Fotos: Norbert WiegandAllerlei Bio-Gemüse der Saison packt Kai Sohns in die Kisten, die er immer dienstags ausliefert. Fotos: Norbert Wiegand

nw Riemsloh. Der bisherige Großstadt-Trend zur „Biokiste“ ist in Melle angekommen: Die Hoyeler Bio-Gärtner Kai und Dörte Sohns haben bereits 50 Kunden, die sich jeden Dienstag eine „Wundertüte“ mit frischem Biogemüse und -obst vor die Haustür bringen lassen.

„Die meisten wollen eine Überraschungskiste, Hauptsache der Inhalt kommt aus ökologischem Anbau und aus der Region“, erklärt Kai Sohns, dessen Gärtnerei als Biolandbetrieb anerkannt ist. Der Reiz dieser Wundertüten scheint tatsächlich in den teilweise unbekannten Inhalten zu stecken. Zum aktuellen Sortiment am Dienstag gehörte beispielsweise Schwarzwurzel. „Da entdecken manche Freunde gesunder Ernährung schon fast vergessene, alte Genusswelten wieder“, hat Dörte Sohns festgestellt.

Manche Biokisten-Besteller fühlen sich angeregt, auch wenig bekannte Gemüse wie Wurzelpetersilie oder Pastinaken auszuprobieren und sind begeistert. „Natürlich gibt es auch Abnehmer, die sich anfangs durch die Kiste durcharbeiten“, räumt Dörte Sohns ein. Erst allmählich würden diese auf den Geschmack kommen und Schritt für Schritt ein neues Essverhalten entwickeln. Bislang seien fast alle Test-Besteller der Bio-Kiste treu geblieben. Wem etwas nicht schmeckt, kann es bei künftigen Lieferungen ausschließen und ersetzen lassen – jederzeit per E-Mail: „Dann gibt es keine Radicchio mehr, sondern mehr Salat.“

Es ist auch möglich, bestimmte Mengen Obst- und Gemüse zu liefern und individuelle Pakete zusammenzustellen. „Trotzdem wollen die meisten Kunden die Überraschungskisten.“

Die gegenwärtige Winter-Überraschungskiste enthält (wenn man es ausnahmsweise verraten darf) Rote Bete, Rotkohl, Porree und einen Hokkaido-Kürbis aus eigenem Anbau sowie Schwarzwurzeln, Möhren, Salat, Sellerie, Pastinaken, Wurzelpetersilie, Äpfel und Birnen von Biohöfen aus der Region. Die Basiskiste mit dem Vorrat für eine Woche für zwei Personen kostet 15 Euro, je nach Mehrbedarf und Sonderwünschen erhöht sich der Kistenpreis.

„Künftig wollen wir den Anteil selbst angebauter Gemüse und Früchte deutlich erhöhen“, kündigen die Gärtner an, die erst vor zwei Jahren mit ihrem Betrieb vom Oldendorfer Kreimerhof auf den Hof Meyer zu Ohsen in Hoyel, Hoyeler Straße 83, umgezogen sind. Die Umstellungsphase dauert noch an, auf einem großen Teil der drei Hektar Anbaufläche wächst vorläufig noch Bio-Getreide. Im kommenden Sommer sollen bereits mehr heimische Kohlsorten, Zwiebeln, Zucchini, Kürbisse und Erdbeeren erzeugt werden. Im Gewächshaus werden Tomaten, Paprika und Landgurken angepflanzt.

Der Anbau im Freiland erfolgt in Damm-Kultur (angehäufelte Reihen mit 50 cm Abstand) und ganz ohne Pflügen, obwohl dies keine Bioland-Richtlinie ist. „Wir haben damit bisher einfach gute Erfahrungen gemacht, die Bodengare und der Humusaufbau werden so langfristig gefördert“, erläutert das Gärtnerpaar, das sich derzeit auf sein drittes Kind freut.

Den wesentlichen Teil ihres Familieneinkommens werden die Biogärtner weiterhin mit ihrem Marktstand in Bad Rothenfelde erzielen. „Aber die Biokisten laufen erstaunlich gut und wir sehen noch Entwicklungspotenzial“, ist Kai Sohns optimistisch.


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