Serie: Alte Führerscheine Ali Yildiz: Erster Türke mit „Lappen“ in Buer


Buer. In Sivas in der Türkei gab es Anfang der 60-er Jahre vielleicht „10 oder 15 Autos“ schätzt Ali Yildiz aus Buer. Er selbst war noch nie in einem gefahren, als er 1965 nach Deutschland kam. Das erste Mal kam, als er am Bahnhof Melle von einem Deutschen, einem zukünftigen Burton-Kollegen, abgeholt wurde.

16 war der junge Ali da, hatte sich aber für 18 ausgegeben, um nach Alemania zu dürfen.

Ein halbes Jahr später kaufte er sich für 170 Mark das erste Fahrrad, dass zu fahren er erst üben musste. Auf einem Parkplatz fiel er mehrmals hin, aber lernte das Radfahren, auch wenn es zur Arbeit nur 50 Meter waren und er deshalb zu Fuß ging. Das Rad putzte er aber jeden Tag.

1970 oder 71 begann er mit Fahrstunden bei Theilings in Buer, 100 Mark Grundgebühr, jede Fahrstunde kostete 20 extra. Die Unterlagen gab es in Deutsch und Türkisch, wie später auch den Fragebogen der Prüfung, der zehn deutsche und 52 Fragen auf Türkisch enthielt.

„Als ich das erste Mal in den Wagen einsteigen sollte, habe ich am ganzen Körper gezittert“, erzählt der Rentner, den die meisten in Buer als „Brenner-Ali“ kennen, weil er bei Burton für den Ofen zuständig war. Nicht einmal, wie man das Auto anlässt, wusste er – woher auch. 25 Fahrstunden hatte Brenner-Ali, anfangs nur auf einem Parkplatz: „Vorwärts, rückwärts, einparken.“

„Dann war die Zeit für die Prüfung da“, erinnert Yildiz sich. In Melle stieß er beim Abbiegen mit den Hinterrädern an den Bordstein. „ Oh, oh“, machte der Prüfer, ließ Yildiz noch ein Weilchen fahren und führte ihn dann abermals an die Einmündung, an der der Fahrschüler zuvor gepatzt hatte. Diesmal ging alles gut und der junge Mann hatte als wohl erster Türke in Buer einen Führerschein. Das erste Auto, ein Opel Rekord, folgte einige Monate später, gleich am zweiten Tag fuhr ein Lkw auf den geparkten Wagen auf.

Die erste große Fahrt führte 1974 mit einem Taunus in die Türkei. Ali und Ehefrau Reyhan waren vier Tage unterwegs. „Ich bin so langsam gefahren und habe mich immer an die Vorschriften gehalten, aber in Jugoslawien und Bulgarien musste ich trotzdem der Polizei ständig etwas bezahlen. Da konnte man die fünf Mark schon bereit legen.“

Jahre später besuchte Yildiz mit Frau einen Freund in Köln. Doch auf der Rückfahrt verloren sie die Orientierung und hingen in einer Schleife zwischen Düsseldorf und Köln fest, wo sie immer wieder am selben Parkplatz vorbeikamen. Als der Sprit knapp wurde, fragten sie bei der Autobahnpolizei nach, die ihnen den Weg aufschrieb. Zehn Stunden dauerte schließlich die Tour vom Rheinland zurück nach Buer. „Das war eine Fahrt!“, lacht Yildiz noch heute.


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