Konzert des Madrigalchores Melle: Liebe und Lust in großen Melodien

Von Petra Ropers

Ein Mann zwischen zwei Frauen - das kann nicht gut gehen! Im Terzett aus „Die lustigen Weiber von Windsor“ war für Marcin Tlalka zwischen Kathrin Bauer (links) und Ariane Ernesti der Weg vom Flirt zur Flucht nicht weit.. Foto: Petra RopersEin Mann zwischen zwei Frauen - das kann nicht gut gehen! Im Terzett aus „Die lustigen Weiber von Windsor“ war für Marcin Tlalka zwischen Kathrin Bauer (links) und Ariane Ernesti der Weg vom Flirt zur Flucht nicht weit.. Foto: Petra Ropers

Melle. In bewegenden Klangbildern erhebt sich der Gedanke an die Heimat über die Fesseln der Gefangenschaft: Seine eindringliche Wirkung hat der „Freiheitschor der Gefangenen“ auch 200 Jahre nach dem Geburtstag des Komponisten Guiseppe Verdi nicht eingebüßt.

In der Feierhalle Grönenburg krönte die wohl berühmteste Ode an die Freiheit einen Abend, der das Flair der großen Opernhäuser nach Melle holte.

Verschmitzter Humor, leidenschaftliches Temperament und sehnsuchtsvolle Tragik verbanden sich im Konzert des Madrigalchores zu einer schillernden Reise durch die Welt von Oper und Operette. Und deren Anziehungskraft ist ungebrochen: Die große Zahl der Besucher sprengte beinahe die räumlichen Kapazitäten der Feierhalle, in der unter der Gesamtleitung von Urs Borer der Madrigalchor gemeinsam mit hochkarätigen Solisten und Pianist Christopher Wasmuth sein musikalisches Niveau unter Beweis stellte.

Aus der Vielzahl weltberühmter Melodien stellte Urs Borer dabei ein kurzweiliges Programm zusammen, in dem es - ganz wie im richtigen Leben - vor allem um eines ging: die Liebe. Allerdings ist es wohl weniger die Liebe als die Lust an einem kleinen Flirt, die Graf Almaviva in Mozarts „Hochzeit des Figaro“ den jungen Mädchen nachjagen lässt. „Er schützt die Jugend“, lästerte der Madrigalchor deshalb mit spürbarem Sarkasmus im Chor der Landleute.

Humorvolles Accelerando

Wehe dem, der gleich zwei Damen sein Herz verspricht: Den Schwerenöter Falstaff bringt die Liebe in „Die lustigen Weiber von Windsor“ in arge Bedrängnis. Mit großen Stimmen und szenischer Darstellung inszenierten die Solisten Ariane Ernesti, Sopran, Kathrin Bauer, Mezzosopran, und Marcin Tlalka, Bass, die humorvolle Wendung vom Flirt zur Flucht. Die markant abgesetzte Aufforderung „Fasst ihn, Geister“ des Madrigalchores ließ danach für den Missetäter nichts Gutes erwarten.

Die dramatischen Seiten der Liebe setzten Auszüge aus der Oper Carmen in Szene. „Nimm dich in Acht“, erklang dabei die kraftvolle Warnung des Chores an Kathrin Bauer, die mit Charme und Temperament in die Rolle der Carmen schlüpfte. Mit kämpferischem Gestus und stimmlichem Nachdruck verkörperte Marcin Tlalka in der berühmten Arie den von ihr geliebten Torero Ernesto. Doch nicht immer ist der Liebe ein tragisches Ende beschieden. Mit heiterem Wechselspiel der Stimmen und humorvollem Accelerando vereinte sich deshalb der Madrigalchor mit den Solisten Ariane Ernesti und Jong Bae Bu, Tenor, zum Eingangschor der Oper „Die verkaufte Braut“.

Ein Bürgermeister, der sich als Dirigent versucht, und ein Chor, der unter seiner wenig effektiven Leitung den Faden verliert: Die Voraussetzungen für das Ständchen zu Ehren des Zaren sind nicht eben gut.

„Haltet eure Mäuler! Euer Singsang ist ein Graus!“ wetterte Marcin Tlalka in der „Singschule“. Die Besucher in der Feierhalle waren da anderer Meinung und belohnten den humorvollen Ausflug zu Lortzings „Zar und Zimmermann“ mit begeistertem Applaus.

Einen sanften Klangteppich wob der Chor für die Liebesschwüre der Duettpartner Felix Rußwinkel und Franziska Thorwesten im „Schwanengesang“ aus Lortzings Oper „Undine“.

Eine der schönsten Liebeserklärungen der Musikliteratur schuf unterdessen Franz Léhar für sein „Land des Lächelns“: Mit bewegender Intensität gestand Jong Bae Bu „Dein ist mein ganzes Herz“, bevor Chor und Solisten mit dem „Feuerstrom der Reben“ von Johann Strauß zu champagnerprickelnder Höchstform aufliefen.

Einen herausragenden Höhepunkt sparte sich der Madrigalchor unterdessen für die nachdrücklich eingeforderte Zugabe auf: Der „Freiheitschor der Gefangenen“ entließ die Besucher nach über zwei Stunden mit Gänsehautgefühl in den weiteren Abend.


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