Oft junge Mädchen betroffen „Sexting ist in Melle alltäglich“

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Erotische Bilder machen viele mit dem Handy – Erwachsene und Jugendliche. Foto: dpaErotische Bilder machen viele mit dem Handy – Erwachsene und Jugendliche. Foto: dpa

Melle. Sexting ist in Melle weder ein Thema noch gar ein Problem, heißt es übereinstimmend aus den weiterführenden Schulen im Stadtgebiet. Ein Problem vielleicht nicht, aber dennoch alltäglich, widerspricht eine Schulsozialarbeiterin.

Mit Sexting wird das Verschicken von Nacktbildern per Handy bezeichnet. Das Wort setzt sich zusammen aus „Texting“, dem englischen Wort für simsen, also SMS schreiben, und dem Wort Sex.

Die unterschiedlichen Einschätzungen in Melle sind wohl eher den fehlenden Hinweisen von Schülern geschuldet und nicht dem Umstand, dass es keinerlei derartige Vorfälle gegeben hat, beziehungsweise gibt, vermutet die Sozialarbeiterin.

Ihrer Erfahrung nach kommt Sexting keineswegs nur immer wieder mal vor, sondern ist Alltag. Betroffen seien oft junge Mädchen aus den sechsten und siebten Jahrgängen. „Das ist quasi eine neue Form der Liebesbriefe“, sagt sie mit Blick auf die vermutete Wahrnehmung der Schülerinnen. Mit anderen Worten: Jungs müssen Mädchen gar nicht groß dazu überreden, ein Nacktbild von sich zu machen und zu verschicken, weil die das als mehr oder weniger normal wahrnehmen. Deshalb gebe es wohl auch keine Hinweise aus anderen Schulen, weil die betreffenden Mädchen den Vorgang eben in keiner Weise problematisieren.

Das kommt möglicherweise später. Nämlich dann, wenn eine Beziehung auseinander gegangen ist und derlei Fotos aus unterschiedlichen Gründen – sei es Angeberei, Ignoranz, Dummheit oder Rache – von den Jungs herumgezeigt oder gar weitergeschickt werden.

So ist es zum Beispiel zwei heute 16-jährigen Mädchen aus dem Grönegau ergangen, die zwar keine Selbstporträts von sich gemacht haben, kurz Selfies genannt (von englisch: self – selber), aber sich von Jungs nackt fotografieren ließen. Mit bitteren Folgen. Beide leiden darunter und haben das Gefühl, sich nirgendwo mehr blicken lassen zu können.

Die Jüngeren sind arglos

Während ältere Mädchen nach Einschätzung der Sozialarbeiterin zumindest oft noch so schlau seien, Nacktaufnahmen zu knipsen, ohne dass man ihr Gesicht sieht, sind die jüngeren oft völlig arglos. „Die Mädchen wollen halt einem Jungen gefallen. Die glauben, sie verschenken ihr Herz, wenn sie Nacktbilder von sich verschicken.“

Das Phänomen beschränkt sich nicht auf Mädchen, die sind aber weitaus häufiger betroffen. „Vielleicht 80/20“, schätzt die Sozialarbeiterin. Jedes fünfte Kind, das Nacktbilder von sich macht, könnte ein Junge sein.

Und es ist auch kein Thema, das ausschließlich Jugendliche betrifft. Im Gegenteil. Selfies kursieren im Netz zu Zehn- wenn nicht Hunderttausenden – von Männern und von Frauen, von Frauen mit Männern, Männern mit Männern, Frauen mit Frauen. Mal angezogen, mal halb nackt, oft völlig unbekleidet und zudem „in Aktion“.

Nun ist der Trend also auf dem Schulhof angekommen. Eine mögliche Erklärung, dass daraus ein Massenphänomen wurde: „Eltern wissen oft wenig von ihren Kindern“, sagt die Expertin, „zumindest eines muss ihnen aber klar sein: wenn sie ihren Kindern ein Handy für 400 Euro kaufen, dann kann das einfach alles.“


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