Umfrage zu Plastiktüten Riemsloh: Fast jeder hat Stoffbeutel oder Korb

Von Norbert Wiegand


nw Riemsloh. Plastiktüten sind unbeliebt, fast jeder Kunde hat einen Stoffbeutel, einen Einkaufskorb oder die gute alte Einkaufstasche dabei. Das war das Ergebnis einer Umfrage am Dienstag vor einem Riemsloher Verbrauchermarkt.

Auf dem Supermarktparkplatz gab es viel Zustimmung für die neue Initiative der EU-Kommission (wir berichteten gestern), die die Flut von Plastiktüten in Europa eindämmen will. „Ich nehme meine eigenen Stoffbeutel zum Einkaufen mit, seitdem es Stoffbeutel gibt“, meint Helga Meissner. Wie fast alle Gesprächspartner, befürchtet sie keinerlei persönliche Einschränkungen oder Zusatzkosten durch Sonderabgaben für Kunststofftüten. Davon wären nach ihrer Einschätzung nur diejenigen betroffen, die nachlässig mit der Umwelt umgehen. „Plastiktüten an der Kasse sollen ruhig teurer werden“, findet Monika Brokmann.

„Das Mitnehmen von Korb oder Einkaufstasche ist doch nur eine Gewohnheitssache“, erklärt Christel Weber in einer fünfköpfigen Diskussionsgruppe, die sich schnell zum Thema Plastiktüten gebildet hat. Karin Bohle bedauert, dass Fortschritte beim umweltbewussten Einkaufen leider „von oben angeschoben werden müssen“, weil die Einsicht immer noch nicht alle Verbraucher erreicht hat.

Dass trotz des verbreiteten Einkaufskorbes unnötige Mehrfachverpackungen in den Einkaufswagen landen, merkt Ulla Buermeyer an. Sie weist auf die problematischen dünnen Plastiktütchen hin, mit denen manchmal nur zwei Apfelsinen, ein Apfel oder eine Paprika eingepackt wird. Obst und Gemüse könne auch an der Kasse gewogen werden. „Wo auf Tüten nicht verzichtet werden kann, tut es oft auch Papier“, ergänzt Gerda Stolle. Ebenso wie Karin Bohle betont sie aber, dass alle Einschränkungen für Plastiktüten in allen 28 EU-Ländern einheitlich gelten müssen. Denn Nachholbedarf beim Umweltschutz bestehe vor allem in Süd- und Osteuropa.

„Ich will doch nicht so viel Müll zu Hause haben“, begründet Marita Krause ihren völligen Verzicht Plastiktüten. „Das wirkliche Problem besteht in Textilgeschäften, da werden den Kunden die Tüten nämlich aufgedrängt oder sogar beim Kauf von einigen Paaren Socken aufgezwungen“, berichtet Hildegard Kief von eigenen Erfahrungen. „Endlich sind die Plastiktüten wieder in der Diskussion, das wird manchen Staat zum Nachdenken bringen“, freut sich Sigrid Janauschek-Akgün. Sie findet Unterstützung bei Heinrich Winkler (84): „Ich habe mich schon vor 50 Jahren beim Beginn des Plastiktütenwahns geärgert, alle meine damaligen Befürchtungen sind eingetroffen und haben zu globalen Umweltproblemen geführt, vor allem in den Meeren“.

Den neuen Vorstoß von EU-Umweltkommissar Janez Potocnik gegen die Wegwerfmentalität befürwortet Andreas Bolte: „Damit wird vielleicht die Entwicklung biologisch abbaubarer Einkaufstüten vorangebracht“. Der totale Verzicht auf Einkaufstüten ist für Andrea Debbrecht, die kürzlich die Umweltverschmutzung mit Plastikmüll auf der Insel Wangerooge live erlebt hat, keine Utopie: „Wenn ich meinen Einkaufskorb tatsächlich mal vergessen habe, dann nehme ich einen Karton oder klemme mir den Einkauf einfach unter den Arm.“ Renate Brünger hat für solche Fälle immer einen Reservebeutel oder eine Tragekiste im Auto.

Unter 20 Gesprächspartnern gab es gestern nur eine Befürworterin von Plastiktüten, die ihren Namen nicht nennen wollte: „Die Tüten werden in Deutschland doch einwandfrei recycelt, die machen keine Probleme und gehören zum modernen Einkaufsverhalten“.