Das Grauen wohnt gleich nebenan Meller Extreme Script Crew dreht Horrorfilme


Melle. Wer wissen will, wie man am besten zerfallende Haut herstellt (aus Pizzateig), wo es Wunden in Tüten gibt oder abgerissene Gliedmaßen, der ist bei der Extreme Script Crew richtig. Die Meller drehen Horrorfilme und können auf erste Erfolge verweisen.

Den Kern der Crew bilden die Brüder Pascal (37, Regie, Drehbuch, Darsteller) und Fabien (26, Kamera, Schnitt) Dieckmeyer. Als Filmschaffende nennen sie sich van Deyck Brothers. Hinzu kommt Mark Heggemann (27), der Bastler im Team. Wenn die Frage „Wie setzen wir das um?“ auftaucht, lautet die Antwort meist: „Ich bau mal was.“ „Und dann kommt Mark am nächsten Tag wieder, und das funktioniert“, weiß Pas van Deyck alias Pascal Dieckmeyer.

Schließlich gehört noch Tonfrau Daniela Lehker zum Team.

Pascal als der Älteste der Truppe war der Ausgangspunkt allen Schaffens. Wie im Hollywoodfilm „Super 8“ hat er als Junge mit der VHS-Kamera seines Vaters erste filmische Gehversuche unternommen. Stop-Motion-Filmchen mit Playmobilfiguren. Wie man halt so anfängt. Später drehte er mit Freunden Kampfszenen aus „Rocky V“ im Wald nach. Spaziergänger werden sich ihren Teil gedacht haben.

Nach einigen Shorties, darunter „Zehn Wege, ins Gras zu beißen“, war dann erst einmal Schluss mit der Filmerei. Die Ausbildung und später der Beruf, ließen nicht viel Raum für Rocky im Wald. Erst eine Ausschreibung vor drei Jahren in der „Deadline“, dem führenden deutschen Magazin für fantastische Filme, ließ die alte Leidenschaft wieder hochkochen, wie einen Missionar in einem Kannibalenfilm.

Schreib um dein Leben

„Schreib um dein Leben“ hieß der Wettbewerb, in dem ein Drehbuch zum Verfilmen gesucht wurde. „Zehn Wege, ins Gras zu beißen“ bildete die Grundlage für „Seven Styles of Suicide“, der gute Resonanz bekam, wenngleich nicht ausgewählt wurde. „Wenn ihr nicht wollt, dann machen wir das halt selbst“, sprachen daraufhin die van Deyck Brothers und waren zurück im Geschäft, das freilich (noch) kein rechtes ist, sondern Liebhaberei.

Wie man Rote-Bete-Saft mit Kakao und Gelatine so mischt, dass man „fantastisches Filmblut“ (Pascal) erhält, wussten sie noch. Und so folgte auf die sieben Freitode im vergangenen Jahr „Bad Trip“, ein sechsminütiger Backwood Slasher. So werden die typischen Filme genannt, in denen sechs Teenies, die alle aussehen wie 25, in eine einsame Hütte im Wald fahren, um sich dort nacheinander abmurksen zu lassen. „Bad Trip“ erzählt die Geschichte eines Todes rückwärts und wurde bei den Movie Days in Dortmund mit dem „Scariest Shortie Award“ bedacht, dem Preis für den angsteinflößendsten Kurzfilm. Zudem hat er es auf die englische DVD-Compilation „Shockalypse“ geschafft.

Im Frühjahr begannen die Meller mit „Schäferhund Süß-Sauer“ (SSS), der einen richtig fiesen Charakter in der Person von Pascal Dieckmeyer als Hundefleisch liebender Versicherungsvertreter präsentieren sollte. Eigentlich. Doch nachdem Pascal am ersten Drehtag so richtig fies aus der Wäsche schaute und Bruder Fabien sich vor Lachen nicht mehr einkriegte, wurde beschlossen, mehr auf Trash (ein Subgenre: billig, mit Hang zur unfreiwilligen Komik) zu setzen, und so wurde eine schwarze Komödie daraus. Die 30-minütige DVD plus Extras ist im Eigenvertrieb erschienen ( http://extreme-script-crew.de ).

SSS ist auf Festivals gelaufen, wird beim After Dark Festival in Gronau am 2. und 7. November gezeigt und beim Weekend of Horrors in Oberhausen (8. bis 10. November), zu dem Danny Glover (Leathal Weapon), Malcolm McDowell (Uhrwerk Orange), Michael Biehn (Terminator) sowie Horror-Ikonen wie Sid Haig oder Sean Cunningham erwartet werden. Das Weekend ist das deutsche Branchentreffen Nummer eins, nirgendwo treffen Freaks und Geeks mehr Gleichgesinnte, Filmschaffende, Künstler, Comiczeichner, Ausstatter, FX-Artists und Zubehörhändler. „Wenn du mal einen abgerissenen Finger brauchst, bist du da genau richtig“, sagt Mark Heggemann.

Außerdem arbeiten die Extremen gerade an einer Episode für den 90-Minüter „Creepy Campfire Stories“ (D.M.A. – Demonic Model Agency) und bereiten die Episode „Rumpelstilzchen“ für „Grimms Kinder“ vor, der neun Märchen adaptiert. Gedreht wird im Frühjahr mit Steffen Schrumpf, Heaven, Conny Dachs und Deadline-Autor Nando Rohner.

Der deutsche Horrorregisseur Olaf Ittenbach, eine Ikone, hat „Schäferhund Süß-Sauer“ gesehen und fand ihn gut, aber „teils unscharf“. Jede Wette, es wird in Zukunft noch schärfer.


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