Prüferschlaf mit Bremsruck beendet Meller Tolzmann: Zwei Prüfungen bei Bundeswehr

Von Conny Rutsch


Melle. In Schleswig-Holstein spielen gleich zwei Führerscheingeschichten, die sich um den grauen Lappen von Peter Tolzmann aus Eicken ranken. Vor gut 50 Jahren mit 21 verpflichtete er sich für zwei Jahre bei der Bundeswehr in Rendsburg. Schon bald durfte er für einen Stabsfeldwebel, der als Fahrschulleiter eingesetzt war, die Unterlagen führen und die Prüfungsbögen korrigieren.

„Klar, dass ich die Fragen alle auswendig wusste,“ freut sich Peter Tolzmann heute noch. Er bestand die Theorieprüfung also fehlerfrei.

Nach acht Fahrstunden legte er in einem Borgward 0,75 Tonnen die Fahrprüfung auf eine sehr besondere Weise ab. Auf der dreisitzigen Vorderbank saß neben ihm sein Fahrlehrer und rechts außen der Prüfer. Peter Tolzmann sollte von Rendsburg Richtung Schleswig fahren. Der Prüfer, ein Major, wies ihn zunächst nach links oder rechts.

„Ich fuhr und fuhr und fuhr“, erzählt der damalige Prüfling, keine Anweisung kam mehr. „Schließlich wagte ich einen Blick nach rechts“, lacht er. Und er sah, dass der Prüfer eingeschlafen war. „Dann bin ich kurz auf die Bremse gestiegen, dass es ein wenig ruckte und fragte nach, ob ich denn nach Schleswig reinfahren solle.“ „Anhalten, der nächste“, kommandierte der Major kommentarlos, und Tolzmann hatte seinen Führerschein in der Tasche.

Führerschein geklaut

Nach nur drei Fahrstunden folgte 14 Tage später die Prüfung auf einem Ford Dreitonner. „20 Meter vor einer Abzweigung erhielt ich die Ansage, rechts abzubiegen“, erzählt Peter Tolzmann. Er überlegte kurz, ob er hinter dem Radfahrer bleiben sollte, der vor ihm fuhr, entschloss sich aber dann, ihn zu überholen. Der Blick in den Seitenspiegel überzeugte ihn davon, dass er den Radfahrer nicht mal zum Bremsen gebracht hatte. Nach weiteren Aufgaben lenkte er den Lkw zurück zur Kaserne. Dort teilte ihm der Fahrschulleiter mit, dass er durch die Prüfung gefallen sei, weil er den Radfahrer behindert habe. Tolzmann verneinte das, aber der Stabsfeldwebel bestand darauf, allerdings habe der Prüfer diese Situation gar nicht bemerkt.

Peter Tolzmann war aber für die Prüfungsunterlagen zuständig, füllte kurzerhand seinen eigenen Führerschein für Lkw mit aus und legte ihn mit denen der Kameraden zur Unterschrift vor. Und selbstverständlich erhielt er diese auch. In einem Ledermäppchen bewahrt Peter Tolzmann seinen Führerschein auf. Bei einem Einbruch in sein Haus ihm diese Brieftasche allerdings schon einmal geklaut. Nach sechs Wochen meldete sich ein freundlicher Mann, der die Papiere in einem Mülleimer einer Autobahnraststätte in den Kasseler Bergen gefunden hatte.

Klar, dass Peter Tolzmann auf seinen grauen Lappen mit den Geschichten drumherum jetzt besonders gut aufpasst. Sein erster eigener Wagen war übrigens ein VW-Käfer, Baujahr 1949 mit geteilter Heckscheibe.