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Ausstellung über 800 Jahre deutsche Spuren in der Türkei in der Volksbank Barbarossa, Einstein und Tante Olga

Von Conny Rutsch

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cru Melle. Von Barbarossa bis Einstein: Große Namen sind es, die seit vielen Jahrhunderten Deutschland mit der Türkei verbinden. Der Autor Latif Celik brauchte etwa 14 Jahre, um 800 Jahre „Deutsche Spuren in der Türkei“ zu sammeln und in einem deutsch- und türkischsprachigen Buch zusammenzustellen. Am Donnerstagabend eröffnete er in der Volksbank eine Ausstellung dazu.

Auch General Moltke brachte nach seinen Aufenthalten in der Türkei wichtige Themen mit nach Deutschland. Klaus Windoffer als Hausherr erinnerte in seiner Begrüßung an die Berührungsängste mit den ersten türkischen Gastarbeitern in Deutschland. „Die Welt hat sich verändert, und ich wünsche mir mehr deutsch-türkische Freundschaften“, sagte er. Bürgermeister Berghegger bewertete die Integrationsbemühungen und freundschaftlichen Beziehungen als gut, aber ausbaufähig. „Besondere Beziehungen verlangen eine besondere Verantwortung“, betonte er. Der Vorsitzende des Deutsch-Türkischen Arbeitskreises Yilmaz Kilic unterstrich die wertschätzende und respektvolle Beziehung von Deutschen und Türken trotz unterschiedlichen Glaubens und Kultur. „Integration kann nicht verordnet, sondern muss gelebt werden“, sagte er.

Mit Sicht auf sein Buch und die Ausstellung prägte der Autor Latif Celik den Satz: „Integration ist in gleicher Augenhöhe das Wissen um die Geschichte und die Kommunikation für die Zukunft.“ Ein besonderer Dank ging nicht nur von ihm an Gerda Bäumer von der Stadt, die maßgeblich am Zustandekommen der Ausstellung beteiligt ist.

Und so sind es die geschichtlichen Details, die die Ausstellung über die deutschen Spuren in der Türkei so spannend machen. Einige Schlaglichter: Kaiser Friedrich I. Barbarossa etwa ertrank bei seinem dritten Kreuzzug im 12. Jahrhundert im Fluss Göksu.

Die Deutsche Schule in Istanbul wurde im Mai 1868 für die Kinder der in Istanbul lebenden deutschen Familien gegründet und ist die erste deutschsprachige Institution in der Türkei. Einige Jahre zuvor wurde ein Einwanderungsgesetz veröffentlicht, das bürokratische Hürden abbauen sollte. „Als wichtigste Voraussetzung mussten die neuen Einwanderer in der Landwirtschaft oder im Handwerk tätig sein“, heißt es darin, und es sicherte jedem Eingewanderten die Vergabe von geeignetem Land zu.

Im Jahr 1911 feierte der Deutsche Handwerkerverein zu Konstantinopel sein 50-jähriges Bestehen.

Viele deutsche Architekten haben bedeutende Bauwerke in der Türkei geschaffen: die türkische Zentralbank, das ehemalige Handelsministerium oder das Gebäude des türkischen Parlaments, um nur wenige Beispiele zu nennen.

Zur Zeit Kaiser Wilhelms I. wurde das Osmanische Reich bester Kunde der deutschen Rüstungsindustrie. Besuche des Kaiserpaares in der Türkei wurden mit Postkarten begeistert thematisiert.

Albert Einstein, der unter den Nationalsozialisten Deutschland verlassen musste und in die USA auswanderte, verschaffte einigen Kollegen in der Türkei einen sicheren Aufenthalt.

Und was hat es nun mit Tante Olga auf sich? Im Türkisch-Russischen Krieg 1877/78 siedelten Russen deutsche Einwohner von den Küstenregionen des Baltikums in der östlichen Grenzprovinz Kars an. Zehn Kilometer entfernt von dort in einem kleinen Dorf lebt noch immer eine vierköpfige deutschstämmige türkische Familie, deren Familienoberhaupt Tante Olga stolz auf ihr Dorf ist.

Viele Geschichten und Geschichte hat Latif Celik mit der Ausstellung erlebbar gemacht und möchte auf seine Weise für die nachhaltige Verbindung zwischen der Türkei und Deutschland Sorge tragen.


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