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Turbulente Komödie im Weberhaus Melle: Theaterbande Phoenix präsentiert „Molières Geizhals“

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Melle. Sein argwöhnischer Blick mustert jedes einzelne Gesicht. „Da ist nicht einer, dem man trauen könnte“, grollt Harpagon finster. Das derart unter Generalverdacht gestellte Publikum quittiert das Misstrauen des Alten mit einem nachsichtigen Grinsen. Schließlich kommt „Molières Geizhals“ in der Aufführung der Theaterbande Phoenix mit einem deutlichen Augenzwinkern daher.

In einem Preview für geladene Gäste präsentierte die Theaterbande im Biergarten der Gaststätte Weberhaus die bekannte Komödie. Die eigentliche und dann öffentliche Premiere findet am kommenden Freirtag an selber Stelle statt.

Kein aufwendiges Bühnenbild, sondern ausschließlich dekorative Akzente bildeten den Rahmen für die Aufführung. Und nur die üppigen, barocken Kostüme durchbrachen die äußere Reduktion, die gezielt und konsequent den Blick auf die von Molière mit spitzer Feder gezeichneten Typen lenkte.

Den 1668 uraufgeführten Fünfakter verwandelte Regisseur Jan Graf-Betge dabei in ein Spiel im Spiel, das mit der Dichtung zugleich den Dichter in den Mittelpunkt stellte. Denn Molières langjährige Weggefährtin Madeleine Béjard (Gaby Capteyn) lud persönlich ein zu der – wirkungsvoll gestrafften – Aufführung. Nebenher plauderte sie anregend aus dem Leben des berühmten Kritikers, der in seinen Werken den Adel ebenso auf das komödiantische Korn nahm wie den Klerus und das reiche Bürgertum.

Dessen Gier nach Geld trieb in „Molières Geizhals“ geradezu haarsträubende Blüten. Um gleich mehrere Jahrzehnte ließ die Maske dabei Michael Broermann altern. Mit schütterem Haarkranz und von der Last der Jahre bereits gebeugt, verkörperte er den reichen Harpagon, der in seiner Familie ein unerbittliches Regiment führt. Doch dem Alten, der alles und jeden verdächtigt und mit seinem Geiz seine Familie beinahe zerstört, kann in der Aufführung der Theaterbande niemand wirklich böse sein.

Dafür sorgt schon Michael Broermann, der mit sichtbarer Lust am ironischen Spiel drohend seinen Krückstock schwingt und noch in wütenden Verwünschungen ein Schmunzeln auf die Gesichter zaubert. Unter seiner Fuchtel leidet sein Sohn Cléante (Marc Latos), der heimlich für Mariane (Lara Bertram) schwärmt, ebenso wie Tochter Elise (Sarah Allewelt) und ihr Liebhaber Valère (Sascha Herrmann). In weiteren Rollen spielen Marc Joost (Ansèlme), Michaela Dawidowski (Frosine), Sascha Tonsor (La Flèche) sowie Simone Huge, Jasmin Broermann und Bianca Vogt als Waschfrauen.

Nur ein wahnwitziger Zufall verhilft der Komödie zu ihrem Happy End. Auf eine Läuterung des Geizhalses hofft das Publikum allerdings vergeblich. Doch das verwundert nicht. Schließlich ist die „Geiz ist geil“-Mentalität auch nach rund 350 Jahren noch ungebrochen.

„Molières Geizhals“ feiert also am Freitag dem 17. August um 20.30 Uhr im Biergarten des Weberhauses seine Premiere. Weitere Aufführungstermine finden sich unter www.theaterbande-phoenix.de.


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