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Provokationen mit Kunstobjekten Bewusste Irritationen an Meller Schule

Von Marita Kammeier

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Melle. Respektlos pinkelt ein betrunkener junger Mann an die Wand des Schulgebäudes, die Bierflasche steht daneben. Ein anderer schläft in der Pausenhalle auf der Bank. Seltsame Zustände verunsicherten die Schüler der BBS (Berufsbildenden Schulen), als sie um 8 Uhr morgens das Schulgebäude betraten.

„Kann ich helfen“, fragten viele Schüler, nachdem sie auch die Mitschüler auf die seltsamen Gestalten aufmerksam gemacht hatten. „Was ist da los, wo bleibt die Vorbildfunktion“, rief ein entsetzter Lehrer. Doch es kam noch schlimmer. Ein Junge mit Kapuzenshirt lümmelte auf dem Treppengeländer herum. Und Veronika saß maulend auf dem Mülleimer vor dem Klassenraum. Sie hatte die Arbeit „verkackt“, provozierend blitzte der Tanga unter ihrem Rock hervor.

Mut und Kreativität

Mut und Kreativität zeigten zwölf Schülerinnen im dritten Jahr ihrer Ausbildung zur Erzieherin. Im Kunstunterricht besuchten sie ein Atelier und orientierten sich an den Ideen des amerikanischen Künstlers Mark Jenkins (Street-art-Künstler). Sein Thema ist die Irritation und Provokation im öffentlichen Raum.

Sechs Wochen experimentierten die Schülerinnen unter der Anleitung ihres Lehrers Gerhard Schengber und Christel Schulte von der Kunsthalle Dominikanerkirche Osnabrück. „Wie arbeitet ein Bildhauer und Künstler?“ Diese Fragen kamen im Verlauf des Kunstprojekts ebenso auf wie die Erkenntnis: „Jetzt bin ich in der Kritik.“

„Mit Frischhaltefolie formten wir die Körperteile naturgetreu nach und umklebten alles mit Tesafilm“, erläuterte Christine die Entstehung der Kunstobjekte. „Das war gar nicht so einfach“, sagten Wiebke und Melanie. Keine der Installationen hat ein Gesicht. Die Irritationen entstehen durch die Körperhaltung und die Orte.

Die Figur „Norisknofun“ sitzt auf dem Treppengeländer, was in der Schule verboten ist. Für die Künstlerinnen Melanie und Sina steht die Figur für das Austesten und Überschreiten von Grenzen. Ein Junge mit abgewandter Körperhaltung sitzt auf den Schließfächern in der Nähe des Haupteingangs.

Viele Schüler und Lehrer kommen täglich hier vorbei. Offiziell heißt das Kunstobjekt von Jana und Sophie „Beschränkt“.

Die Plastik mit dem Titel „Angepisst“ von Jenny und Sonja symbolisiert Lustlosigkeit und den respektlosen Umgang mit der Schule. Jana und Andreas dagegen stellten vieles infrage mit ihrer Figur „Verschlafen“. Wichtiger Bestandteil des Kunstprojekts sind die Reaktionen der Betrachter, die per Fragebogen von den Schülerinnen analysiert werden.

Das war der erste Schritt des einjährigen Projektes „Schüler führen Schüler“. Montag geht es weiter: Die Kunstklasse holt sich weitere Inspirationen bei der französischen Künstlerin Hermine Antoine.


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