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Dann ging die Rechnerei los Meller Bahnhöfe in altem Glanz – Modelleisenbahner sucht Mitbauer

Von Conny Rutsch

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Melle. Die Bremsen quietschen, wenn die Diesellok im Meller Bahnhof hält. Und das auf einem Dachboden in Gerden. Von Kindesbeinen an ist Uwe Ludwig von den Modelleisenbahnen fasziniert. „1950 habe ich meine erste Bahn fahren lassen“, erinnert er sich. Und irgendwann begann er dann, eine richtige Anlage zu bauen. Die wurde über die Jahre so groß, dass er seinen Dachboden immer mehr ausweitete.

Als der inzwischen pensionierte Lehrer für Sport und Latein im Jahr 2006 am Gymnasium ein Projekt mit dem Thema „Bahnhof Melle“ anbot, entstand folgende Idee: „Ich wollte alle drei Meller Bahnhöfe auf meine Anlage bringen; und zwar aus der Zeit vor der Elektrifizierung.“ Anhand alter Fotos recherchierte Uwe Ludwig Aussehen, Umgebung und Flair der Bahnhöfe Melle, Westerhausen und Bruchmühlen in den 60er-Jahren.

Mit Maßbändern bewaffnet, machte er sich mit seiner Frau Lilo so manches Mal auf den Weg zu den Bahnanlagen.

„Der Meller Bahnhof misst von den Einfahrtweichen am Stellwerk in der Neuerostraße bis zu den Ausfahrtweichen bei Vergölst fast zwei Kilometer“, erklärt der Hobbyeisenbahner. Allein der alte Güterschuppen ist 120 Meter lang.

Und damit ging die Rechnerei los. Auf seinem Dachboden steht der Meller Bahnhof in Spur 0 im Maßstab 1:43,5. Mit viel Liebe zu den Details rekonstruierte Uwe Ludwig die Atmosphäre im Bahnhof Melle. Alte Käfer parken dort, das kleine Café lädt zum Verweilen ein, und am Kiosk links der Treppe kauften die Reisenden noch keine Lollies, sondern Dauerlutscher. Sicher werden sich die Meller noch daran erinnern, dass oben auf dem Bahnsteig am Ende der Treppe ein Bahnbeamter in einem kleinen Verschlag die Karten für das Betreten des Bahnsteigs abknipste. Und auch dieses Stückchen Vergangenheit wird auf dem Dachboden von Uwe Ludwig wieder lebendig. Er baut mit einer Riesengeduld. „Das Gebäude der ehemaligen Möbelfabrik Melchersmann hat auf der Frontseite 120 Fenster“, erzählt er, die er alle mit dem Cuttermesser ausgeschnitten hat. Der Prospekt steht in Reichweite zum Bahnhof neben der alten „Wilhelma“, einer früheren Maschinenfabrik.

Seine Frau Lilo übrigens ist immer gerne bereit zu helfen. Sie bastelt dann die Gardinen. „Mit Mullbinden wirken sie gut, aber der etwas grobere Stoff zum Sticken sieht noch schöner aus“, erzählt sie.

Und Uwe Ludwig plant schon wieder. Von Manfred Rokossa, der vor seiner Firma vor einiger Zeit eine Dampflok als Industriedenkmal aufstellen ließ, bekam der Modellbahner einen Raum zur Verfügung gestellt, 21 Meter lang und 4,50 Meter breit: sicher ein Traum für jeden Modellbahnbauer. Hier hat der Bastler die Meller Bahnhöfe noch einmal errichtet, und zwar jetzt in der kleineren Ausführung Spur H0 im Maßstab 1:87. Auf langen selbst gezimmerten Holztischen in bequemer Arbeitshöhe wirken sie noch verloren. Für dieses Projekt sucht Uwe Ludwig Mitstreiter. Modellbahner, die mitbauen möchten und ihre Ideen gerne mitbringen können, dürfen sich telefonisch mit ihm in Verbindung setzen.

Und noch etwas: Die Bremsen der Diesellok auf dem Dachbodenbahnhof quietschen tatsächlich.


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