Bauernverband Landvolk lädt ein Speed-Dating der Landwirte mit Bundestagskandidaten der Region Osnabrück

Stellten sich beim Speed-Dating auch kritischen Fragen (v.l.n.r.): Die Bundestagskandidaten Roland Lapinskas (AfD), Swen Adams (Die Linke), Matthias Seestern-Pauly (FDP), Anke Hennig (SPD), Gastgeber Jürgen Sixtus vom Landvolk Melle, André Berghegger (CDU) und Tanja Meyer (Grüne).Stellten sich beim Speed-Dating auch kritischen Fragen (v.l.n.r.): Die Bundestagskandidaten Roland Lapinskas (AfD), Swen Adams (Die Linke), Matthias Seestern-Pauly (FDP), Anke Hennig (SPD), Gastgeber Jürgen Sixtus vom Landvolk Melle, André Berghegger (CDU) und Tanja Meyer (Grüne).
Alexander Heim

Melle. Der Bauernverband Landvolk wollte die Bundestagskandidaten aus der Region Osnabrück besser kennenlernen und lud sie ins Forum Melle. So lief das Wahlkampf-Speed-Dating zu den wichtigsten Fragen der Landwirte.

Sechs Tische, rund 40 vorher angemeldete Besucher, sechs Kandidaten und jede Menge Platz: das waren die Rahmendaten für das ungewöhnliche Format.

Wie lief das Speed-Dating ab?

„Wir haben das vor vier Jahren auch schon einmal gemacht“, erklärte Volker Brinkschulte vom Landvolk Melle. „Das hat uns gut gefallen. Da haben wir uns gedacht, das wiederholen wir noch einmal.“ Das Prinzip: die Gäste haben feste Sitzplätze an einem der sechs Tische. Die Kandidaten hingegen wechseln nach rund 15 Minuten zum nächsten Tisch, um sich den nächsten Fragen zu stellen.

Welche Bundestagskandidaten nahmen teil?

Dass für die Neuauflage sowohl der CDU-Bundestagsabgeordnete André Berghegger als auch der FDP-Bundestagsabgeordnete Matthias Seestern-Pauly zusagten, freute den Vorsitzenden des Meller Landvolks, Jürgen Sixtus, sehr. Dass in Anke Hennig (SPD), Swen Adams (Die Linke) und Roland Lapinskas (AfD) gleich drei weitere Kandidaten für den Wahlbezirk zusagten, war für den Bauernverband das Sahnehäubchen. Lediglich die Grünen-Bundestagsabgeordnete Filiz Polat musste wegen Terminproblemen passen. Für sie nahm die Grünen-Bundestagskandidatin für Vechta und Clopppenburg, Tanja Meyer, die Herausforderung des Formats an.

Um welche Themen ging es?

Allen voran waren es Fragen, die den Landwirten unter den Nägeln brannten, mit denen sich die sechs Kandidaten nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden des Meller Kreislandvolkverbands, Jürgen Sixtus, und einer ersten Vorstellungsrunde mit Moderator Andreas Brinker gegenüber sahen. Immer wiederkehrendes Thema: die nicht genehmigten Stallerweiterungen, um Anforderungen an Haltungsformen für Tiere überhaupt umsetzen zu können.

Sollte Tierhaltung abgeschafft werden?

Ob es für sie nicht ohnehin Politik sei, Tierhaltung ganz abzuschaffen? Ein klares „Nein“ entgegnete Grünen-Kandidatin Meyer. Adams (Linke) warb dafür, dass die Preise für Fleisch steigen müssten. Und das bei Konkurrenz aus Südamerika? „Freihandel funktioniert“, betonte Freidemokrat Seestern-Pauly. „Man muss aber sicherstellen, dass die Standards vergleichbar sind.“ Weitere Tierwohlregeln „on top“? „Das vernichtet Existenzen“, zeigte sich der Bad Iburger überzeugt.

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Matthias Seestern-Pauly (FDP).

„Landwirte dürfen keine Angst davor haben, Veränderungen mitzugehen“, sagte indes Sozialdemokratin Hennig. Die Tochter der langjährigen SPD-Landtagsabgeordneten Helga Lewandowsky schlug dabei auch immer wieder vor, einen Blick auf Fleischersatzprodukte zu werfen. Denn das Protein aus Gräsern könne für Landwirte lukrativ in der Vermarktung sein, so ihre Botschaft. In Sachen Konsum erklärte sie: „Die Leute müssen umdenken. Wir müssen weniger Fleisch essen. Und dann gutes Fleisch.“

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Anke Hennig (SPD)

Wo gab es Widerspruch?

Wie viele ihrer Kollegen bekam sie im Forum Melle gerade die Angriffslust der jüngsten Teilnehmer aus den Reihen der Landjugend zu spüren. Gerade erst hatte sie Platz genommen, begann das Gespräch höflich, verständnisvoll, mit einem „Eisbrecher“: „Das Höfesterben ist ein riesiges Problem, das weiß ich. Wir brauchen Landwirtschaft“. Schon sah sie sich spitzen Zungen und Widerspruchsgeist gegenüber: „Was wollen Sie dagegen tun?“, wollte nämlich die Landjugend wissen. Ihr Vorschlag: nachhaltige Landwirtschaft.

Auch das Einsparen beim CO2 sprach sie an. „Wo wollen Sie das einsparen?“, ließ die Landjugend nicht locker. „Bei der Tierhaltung.“ Das forderte die sofortige Gegenfrage heraus: „Durch weniger Tiere?“ „Es gibt Möglichkeiten, die Tierhaltung zu verkleinern“, so die Sozialdemokratin. Und kam erneut aufs Protein zu sprechen.

Wofür steht die AfD?

Auch für Roland Lapinskas (AfD) ging es nicht zuletzt um die Hochwertigkeit des Fleisches. Der fünffache Vater warb zudem verstärkt für das Thema Familie und für traditionelle Werte. „Wie die Leute zuhause leben - das ist deren Privatsache“, sagte er. Der 39-Jährige befand zudem: „Irgendwie wird das Normale diskriminiert.“

Alexander Heim
Roland Lapinskas (AfD)

Warum gab es Kritik an der CDU?

Mit Blick auf abgelehnte Verordnungen zum Stallaus- und -umbau erklärte Berghegger (CDU): „Wenn das Gesetz im Wege ist, muss man darüber nachdenken.“ Der 49-Jährige musste sich dabei auch Kritik gefallen lassen. So wurde ihm entgegnet: „Alle wollen eine Agrarwende. Aber Sie machen sie gesetzlich nicht möglich.“ 

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André Berghegger (CDU)

Wie kann man kleine Schlachthöfe erhalten?

„Vielleicht brauchen wir eine Image-Kampagne bei den Städtern. Viele wissen doch gar nicht mehr, was ein Bauernhof ist“, überlegte Adams (Linke), der sich betroffen zeigte, dass es mehr „um Sattmach-Milch, und nicht um ein Lebensmittel“ gehe. Der Bäckermeister plädierte zudem für mehr Wertschätzung dem Handwerk gegenüber. 

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Swen Adams (Linke)

Berghegger verwies an anderer Stelle auf Fördermittel für kleine Schlachthöfe. Sein Wunsch: „Wir müssen die wenigen Vorhandenen halten.“

Hat die FDP an Glaubwürdigkeit verloren?

Ob die FDP mit der Verweigerung von „Jamaika“ vor vier Jahren nicht an Glaubwürdigkeit verloren habe? „Genau das Gegenteil ist der Fall“, so Seestern-Pauly. „Wir wollen das Land gestalten. Von Digitalisierung über beste Bildung bis hin zu den Staatsfinanzen“, so sein Plädoyer. Er warb für eine Energie, die weiterhin bezahlbar bleibt.

Wollen die Grünen aus allen Bauernhöfen Biohöfe machen?

Wollen die Grünen aus allen Landwirten Biohöfe machen? „So ist es nicht“, beteuerte Meyer. Es gehe vielmehr um eine Politik, „bei der das Klima gut wegkommt, bei der die Tiere gut wegkommen und bei der Sie gut wegkommen.“

Alexander Heim
Tanja Meyer ist Grünen-Bundestagskandidatin für Vechta und Clopppenburg


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