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Aber mehr Arbeit für Händler Einwegpfand führt Händler nicht in den Ruin

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Melle. Manche Getränkeläden müssen viel mehr leere Einweg-Flaschen zurücknehmen, als sie verkauft haben. Sind diese Händler wegen des auszuzahlenden Pfandgeldes vom Ruin bedroht? Nein, die Ausgaben werden voll erstattet.

„Unser Schredder-Automat zählt alle Rückgaben und sendet die Informationen online an eine Clearing-Stelle der DPG (Deutsche Pfandsystem GmbH), die für einen finanziellen Ausgleich sorgt“, erläuterte die Meller Trinkgut-Mitarbeiterin Tina Eichelmann.

Manche Geschäfte sind allerdings von der zusätzlichen Arbeit betroffen, die bei der Lagerung und beim Transport des geschredderten Leergutes entsteht. Ein Gerdener Getränkeanbieter braucht – ohne einen dieser sehr kostspieligen Rücknahmeautomaten – außerdem zusätzliche Arbeitszeit für die Annahme und die Sortierung des Einwegguts.

Geschäfte, die Getränke in pfandpflichtigen Einwegverpackungen verkaufen, müssen die Verpackungen der jeweiligen Materialart zurücknehmen. Wer beispielsweise PET-Einweg, aber keine Dosen im Sortiment hat, muss jedem Kunden für PET-Flaschen aus anderen Märkten das Pfandgeld erstatten. Das gilt dann aber nicht für fremde Alu-Dosen. Die „Insel-Lösungen“ („Wir nehmen nur die bei uns gekauften Flaschen zurück“) wurden 2006 gesetzlich abgeschafft. Ausnahmen gibt es nur für Läden mit weniger als 200 Quadratmeter Verkaufsfläche.

Keinerlei derartige Probleme haben Getränkemärkte, die ausschließlich Mehrwegflaschen anbieten, sie brauchen keine Einwegflaschen anzunehmen und tun dies in aller Regel auch nicht. Mehrwegbefürworter und Getränkehändler Volker Tiemeyer bedauert aber, dass viele Konsumenten oft gar nicht mehr den Unterschied zwischen Mehrweg und Einweg erkennen können. Denn bei beiden Systemen wird Pfand bezahlt.

„Mehrweg-Glasflaschen werden 50- bis 60-mal neu befüllt, Hart-PET-Flaschen 15- bis 20-mal und dann erst recycelt“, so Tiemeyer. Die immer mehr verbreiteten Einwegflaschen würden hingegen nur einmal benutzt, bevor sie geschreddert und unter hohem Energie-Einsatz zu anderen Kunststoffprodukten verarbeitet würden. „Mehrweg sorgt für mehr Wertschöpfung in der Region und eine wesentlich bessere Öko-Bilanz“, betonte Tiemeyer. Er hofft, dass die aktuell von Umweltminister Peter Altmaier angestoßene Diskussion zu einer besseren Kennzeichnung und Unterscheidung von Mehrweg und Einweg führen wird.

Aber auch in den Mehrwegsystemen stellt Volker Tiemeyer bedauerliche Entwicklungen fest. So sind die Norm-Flaschen vergangener Zeiten, die von allen Mineralwasser- und Bierherstellern verwendet wurden, fast verschwunden. Tiemeyer: „Stattdessen hat jetzt jedes Unternehmen sein Individualgebinde im eigenen Design, ein Austausch untereinander ist nicht mehr möglich.“ Vor allem die alten Standard-Bierkisten waren so robust, dass ihm heute immer noch zirkulierende Exemplare aus den frühen Achtzigerjahren begegnen.


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