Firma BioConstruct erfolgreich Aufträge für Biogasanlagen aus Melle trotz des Brexits

Bringt Biogasanlagen voran: die Firma BioConstruct mit Sitz in Riemsloh.  Foto: Sarah FluchtmannBringt Biogasanlagen voran: die Firma BioConstruct mit Sitz in Riemsloh. Foto: Sarah Fluchtmann

Riemsloh. Obwohl der Bau von Biogas- und Windkraftanlagen in Deutschland weiter stockt, blickt die Firma BioConstruct GmbH aus dem Meller Stadtteil Riemsloh erneut auf ein gutes Jahr zurück.

Insgesamt hat das Unternehmen seinen Umsatz im Kerngeschäft Anlagenbau und Service mit knapp 48 Millionen Euro auf gutem Niveau bestätigt. „Vor allem, wenn man bedenkt, dass wir obendrein bereits viel in Projekte investiert haben, die dieses Jahr fertig werden und erst dann positiv aufs Ergebnis einzahlen“, erklärte Geschäftsführer Henrik Borgmeyer.

 Ein Grund für gute Zahlen sei die weiterhin gute Nachfrage aus Großbritannien, wo das Meller Unternehmen 2019 sieben Biogasanlagen ans Netz gebracht und seine Position als Technologieführer für Planung und Bau schlüsselfertiger Abfallvergärungsanlagen gestärkt habe. Im Jahr 2019 hat BioConstruct rund 57 Prozent seines Umsatzes im Vereinten Königreich erwirtschaftet.

Eine deutliche Umkehr der guten Entwicklung in Großbritannien sieht BioConstruct trotz des Brexits vorerst nicht. „Für uns ist es zunächst vorteilhaft, dass eine klare Entscheidung getroffen worden ist“, sagte Borgmeyer. Das britische Pfund präsentiere sich seit dem Ausstieg aus der EU stabil, was die Planungen einfacher macht. Wie sich der Markt in UK langfristig entwickelt, bleibe abzuwarten. Für 2020 und 2021 verhandelt das Unternehmen in UK aktuell weitere Großprojekte.

Trend in Frankreich

Erfreulich sei zudem der Trend zur Biomethan-Einspeisung mit entsprechender Förderung in Frankreich. Hier sind für das laufende Jahr mehrere Anlagen zur Biomethan-Einspeisung in Planung. Die Ausrichtung ist dabei allerdings eine andere als in Großbritannien: Die Projekte sind zumeist Teil von landwirtschaftlichen Betrieben und ihre durchschnittliche Größe ist eher kleiner. Als Substrate werden in den meisten Fällen eigene Gülle, Mist, Gemüseabfälle, Abfälle aus der Agrarindustrie und Zwischenfrüchte verwertet. „Aufgrund der derzeit noch hohen Vergütung wird sich der Boom in Frankreich noch etwas fortsetzen, aber eine Absenkung des Tarifs wurde bereits angekündigt“, ist Borgmeyer verhalten optimistisch.

 Und dass darüber hinaus selbst hierzulande noch Biogasanlagen realisiert werden können, zeigte BioConstruct mit einer Anlage nahe Magdeburg, die letztes Jahr erfolgreich in Betrieb gegangen ist.

Mit Blick auf weitere europäische Märkte hoffen die Anlagenbauer durchaus auf positive Effekte durch den „Green New Deal“ der EU-Kommission. „In Osteuropa warten mit Polen, Rumänien, Ungarn und Bulgarien hinsichtlich Biogas noch einige schlafende Riesen“, meinte der Geschäftsführer.

In Hongkong aktiv

 Außerdem stünden international weitere spannende Aufgaben an. Aktuell sind Experten aus Melle an der Planung und dem Engineering eines Projektes in Hongkong beteiligt. Darüber hinaus sind nach Angaben des Unternehmens auch erste Schritte in den USA gemacht worden, wo die Erweiterung einer Anlage ansteht und einige Neuprojekte in Aussicht gestellt sind.

Mit Blick auf den Markt in Deutschland bezeichnet Borgmeyer die aktuelle Energiepolitik des Bundes als „Desaster“. Überall würden dem Ausbau der erneuerbaren Energien Steine in den Weg gelegt, sei es mit pauschalen Abständen von Windkraftanlagen zur Wohnbebauung oder mit der fehlenden Integration von Biogas in das Gebäudeenergie- und KWK-Gesetz, kritisierte Borgmeyer.

 Wegen dieses „Zauderns und Hinauszögerns“ sehen er und seine Mitstreiter eine kostengünstige Energiewende sowie die Versorgungssicherheit als „ernsthaft gefährdet“ an. 


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